Taubenschwänzchen

Vom Migranten-Falter

Irgendwie komme ich dann doch nicht drum herum, ein Thema  aufzugreifen, das bereits viel zu viel Platz in den Medien und in der Gesellschaft gefunden hat: Die AfD
Zwischen Positiv- und Negativwerbung besteht in diesem Zusammenhang nicht viel Unterschied: Hauptsache präsent mit dummen Sprüchen, flachen Parolen und rechter Hetze… Und die Medien spielen hier auch mit, lassen jeden noch so dummen Kommentar in den Nachrichten rauf und runter laufen. Sensations-Journalismus lässt grüßen…
Für meinen Geschmack ist das viel zu viel Raum für eine tief gespaltene Partei mit 12,5% Wählerstimmen. Zumal 60% ihrer Wähler sie aus Protest und nicht aus Überzeugung gewählt haben. Und 87,5 % aller Wähler sind auf die dumpfen Parolen überhaupt nicht reingefallen, selbst wenn auch sie vielleicht unzufrieden mit den äußeren Umständen sind. Es gibt sehr viel Ungerechtigkeit auf der Welt und in unserem Land. Das stimmt definitiv! Doch warum sollte ausgerechnet eine Partei etwas zum Positiven verändern, die eine Ideologie predigt, durch die Millionen Menschen ihr Leben und ihre Lieben verloren haben, die ein in Trümmern liegendes Europa hinterlassen hat, ein geteiltes Deutschland und einen weiteren Höhepunkt vom Niedergang der Menschlichkeit zur Folge hatte?
Die Ideologie des Nationalismus, des Größen- und Rassenwahns, und der Xenophobie. – Sie ist etwas, was die Natur nicht kennt, und deshalb drängt es sich förmlich auf, die Sache mal genau aus dieser Perspektive zu betrachten…

Wie man Unkraut im Gemüsebeet am besten mit der Wurzel entfernt, anstatt nur dessen Blätter, so möchte ich heute mal den Populismus ausreißen, mit dem Nationalisten in ganz Europa und weltweit das Wohl „ihrer Völker“ erreichen möchten, und „ihr Land zurückholen“.

Und dieses Ausreißen geschieht am besten, wenn man sich die Natur und deren Zusammenhänge anschaut.

Taubenschwänzchen
Das Taubenschwänzchen

Darf ich vorstellen? Dies ist ein so genannter Migrant. Man nennt ihn auch Taubenschwänzchen.
Er ist eigentlich im Mittelmeerraum zu Hause. Doch im Laufe der Zeit hat er die Dreistigkeit besessen, die Alpen zu überqueren und sich hier anzusiedeln. Er hat sich einfach eingeschlichen und ernährt sich – dreist wie er ist – in deutschem Land, von deutschem Nektar. Trinkt der doch einfach unseren deutschen Schmetterlingen ihr wertvolles Futter weg…! Was bildet der sich eigentlich ein?

Nun, er folgt einem natürlichen Trieb, der seit Urzeiten in jedem Wesen der Welt steckt. Denn so ziemlich jedes Lebewesen hat das Ziel, sich auszubreiten, seine Art zu sichern und sein genetisches Erbe zu verbreiten. Das funktioniert in der Regel am besten, wenn sich die eine Population mit einer anderen vermischt. Dadurch wird auch der Genpool größer und die Nachkommen sind stärker. Alles andere wäre Inzucht, mit den bekannten Konsequenzen…
So ist es schon seit Urzeiten: Die Natur kennt keine Leitkultur, sie kennt keinen Rassismus. Ein französischer Schwarzamsel-Mann käme nicht auf die Idee, eine italienische Schwarzamsel als fremd und damit schlecht vom Baum zu schubsen. Die Natur zieht keine Mauern, sie baut Brücken. Und dies schon seit Milliarden von Jahren. – Offenbar ein Erfolgskonzept, was der Mensch, als selbsternannte Krone der Schöpfung, jedoch leider noch nicht so wirklich wahrgenommen hat.

Am Anfang war „der Mensch“

Wenn man sich den menschlichen Rassismus mit all seinen Ausprägungen anschaut, könnte man wirklich meinen, am siebten Tag der Schöpfung seien über Nacht plötzlich 360 Völker vom Himmel gefallen, in ihren Grenzen und ihren Ländern gelandet, hätten Mauern gebaut und Staaten gegründet.
Dabei ist die Spezies Mensch offenbar ursprünglich auf dem afrikanischen Kontinent entstanden und hat sich dann nach und nach über den ganzen Globus ausgebreitet. Dabei vermischte sich, worauf neueste Forschungen hinweisen, sogar einer der Vorgänger des Homo Sapiens mit dem Neandertaler. – Zwei unterschiedliche „vormenschliche“ Arten.
Es gab also am Anfang nicht „die Franzosen“ oder „die Deutschen“. Es gab vielmehr „den Menschen“.
Machtinteressen und Gier führten dazu, dass sich bestimmte Gruppen formierten, am Ende eigene Staaten und Imperien gründeten. Die Maya, die Ägypter, die Griechen, die Germanen, die Römer,…
Nach außen hin zog man Mauern, doch innen sind wir alle gleich. Wir stammen alle von den gleichen Urahnen ab! Seien es nun Adam und Eva, oder Affenmann und Affenfrau.

Wenn das der Menschheit einmal kollektiv bewusst würde, wäre es dann nicht deutlich schwerer, einen der Eigenen zu töten oder zu vertreiben, ihn auszubeuten und zu versklaven? – Einzig, weil er sich nur durch die Flagge, die Sprache oder die Hautfarbe unterscheidet?

Zurück zum Exoten

Kommen wir zurück zu unserem Migranten, der hier einfach herkommt und unseren deutschen Schmetterlingen den Nektar stiehlt.
Es sind ja wirklich arme Falter unter den deutschen, viele „Admiräle“ sind schon lange nur noch ein Schatten ihrer selbst. „Tagpfauenaugen“ haben ihren Glanz verloren, und viele „Zitronenfalter“ sind so sauer wie ihr Name. Denn sie sind so bettelarm geworden, dass sie ihre Kinder nicht mehr richtig ernähren können. Sie sind mittellos, dass sie unter Hunger und Not  leiden. Und dann kommt auch noch so ein dahergelaufenes „Taubenschwänzchen“ und steckt seinen Rüssel in ihre Blüten…
Diese Falter würden ihr Kreuzchen aus Frust vielleicht auch bei einer AFD machen – bei der Allgemeinen Falterpartei Deutschlands – wenn sie denn die Wahl hätten.

Tagpfauenauge
Admiral

Sie hätten nun endlich etwas Greifbares und vor allem Erreichbares gefunden, das sie mit ihrer Not in Verbindung bringen könnten: Dieses exotische „Taubenschwänzchen“ da…

Doch ist dieser flatternde Falter wirklich das Problem? Fehlen die Blüten und die Futterpflanzen nicht allgemein, weil einfach etwas am System nicht stimmt? Die Tag- und Nachtfalter leiden schon seit Jahren unter Hunger, auch die Bienen und die anderen Insekten.

Tagpfauenauge
Tagpfauenauge

Ach, Papperlapapp! Immer diese Gutmenschen…
Wir haben schon wenig und dann lassen sich diese Fremd-Falter auch noch bei uns nieder, um sich den Bauch vollzuschlagen! Sollen sie doch zu Hause ihre Rüssel in ihre Blüten stecken!
Den deutschen Wutfaltern kommt das Taubenschwänzchen gerade richtig, um es mal kräftig zusammenzufalten und ihm zuzurufen:

Mach die Flatter, Falter!

Doch so einfach ist das nicht. Denn nicht jedes Taubenschwänzchen kann wieder zurück. Bei ihm, in seiner Heimat, gibt es nämlich auch weniger Blüten. Und auf der Suche nach guten Blüten ist es halt nach Norden gewandert und hat sie bei uns gefunden.
Den Wutfaltern kringeln sich bei diesem Argument die Fühler. Wir sind doch nicht für alle verantwortlich! Wir haben doch selbst keine Blüten mehr. Sollen diese Exoten  dort bleiben, wo sie sind. Wir können uns nicht um alles kümmern! – Würden sie vielleicht sagen, wenn sie so wären wie der Mensch…

Doch es sind Falter und vielleicht würden sie ja auch sagen: Der Feind meines Feindes ist mein Freund, würden sich mit den Taubenschwänzchen verbrüdern und gegen jene vorgehen, die tatsächlich für die Not und den Rückgang der Blüten verantwortlich sind.

Du sollst nicht stehlen!

Es wäre ja schon  mal ein Anfang, würden wir als menschliche Bewohner der Nordhalbkugel unser Handeln hinterfragen. Denn es geht primär gar nicht darum immer mehr zu helfen und immer mehr zu geben. Das tun wir ja ohnehin nicht! Hilfreich wäre zunächst einmal, den anderen nicht mehr zu schaden, ihnen nichts mehr zu nehmen und sie in dem zu fördern, was sie können!

Denn genau jene, die hier in Deutschland den Wutfaltern ihre Blüten abspenstig machen, die ihre Futterpflanzen vergiften und zerstören, die für Not und Armut sorgen – genau jene sind es doch auch, die im Taubenschwänzchen-Land jäten und verwüsten. Es sind jene, die in riesigen Plantagen Tomaten, Paprika, Erdbeeren & Co. für den Markt der nördlichen Staaten produzieren, die sich an umweltschädlichen Ackergiften und Düngemitteln dumm und dämlich verdienen, die somit für monokulturelle Ackerwüsten sorgen, und die zur Krönung die südlichen Länder mit billiger Massenware überfluten und somit dort die traditionellen Bauern in den Ruin treiben…

Global – fatal?

Die Globalisierung treibt sehr viele in die Not, in die Flucht, und ist doch die einzige Chance zum Überleben. Denn allgemein ist sie etwas Nützliches. Sie kann bereichern, kann Vielfalt erschaffen und somit Nutzen, kann Nährboden für ganzheitliches Wachstum sein.
Doch momentan ist sie nicht weniger als der Nährboden des ausufernden Turbokapitalismus, des Krieges, des Terrors und des Hungers.

Dabei macht es uns Mutter Erde vor. Sie kennt die Globalisierung, sie ist die Globalisierung. Vieles ist miteinander verknüpft und funktionierte sehr lange Zeit reibungslos, bis die Krone der Schöpfung ihre dreckigen Finger im Spiel hatte.

Ein Beispiel? – Die Meeresströmungen

So bringt der Golfstrom warmes Wasser von den Tropen vor Südamerika hoch ins Polarmeer vor Norwegen, und kaltes Wasser zirkuliert dadurch zurück in die Tropen. Dadurch werden die Temperaturen gemäßigter, in Irland und Island sind die Werte zumindest teilweise hoch genug, um die Inseln lebensfreundlich zu machen.
Gleichzeitig dient der Golfstrom als gewaltiger „Lebensgenerator“. Wo warmes Wasser abkühlt und nach unten sinkt im hohen Norden, und wo im Süden kaltes Wasser sich erwärmt und nach oben steigt, explodiert förmlich das Leben. Plankton und Kleinstlebewesen entstehen hier massenhaft, was wiederum Fische und Meeressäuger, aber auch Vögel anzieht und ernährt.
Dies geschieht nicht nur beim Golfstrom, sondern ist bei vielen weiteren Meeresströmen weltweit zu beobachten.

Aber auch die Wüste trägt maßgeblich dazu bei, dass Leben sich verbreitet. Durch Windsysteme wird Wüstensand weggetragen, regnet anderswo zur Erde und düngt beispielsweise die Regenwälder im Tropengürtel.

Doch soweit müssen wir gar nicht gehen. Wir können auch vor unserer Haustür die natürliche Globalisierung beobachten. – Gerade jetzt wieder im Herbst. Viele Vögel ziehen in den Süden, damit sie dort genügend Futter und Wärme finden. Stolze 4.000 Kilometer und mehr ziehen manche Kraniche, Wildgänse, Störche, aber auch Amseln. Und dies nur, um im Frühling wieder in unsere Breiten zurückzukehren, hier Eier zu legen und ihren Nachwuchs großzuziehen.

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Bei ihnen waren geografische Grenzen nie ein Thema. Sie fliegen einfach und es stellt sich ihnen keine Armee patriotischer, komischer Vögel in den Weg.

Lachse wandern ebenso jedes Jahr tausende Kilometer durch Flüsse und durchs Meer, oft auch gegen den Strom, um ihren Laich abzusetzen und den Fortbestand ihrer Art zu sichern. Und auch hier stellt sich ihnen allenfalls ein Bauwerk des Menschen – nämlich Staustufen – in den Weg.

Und selbst der „Admiral“, der arme deutsche Falter, ist in Wahrheit ein Wanderer. Er überquert im Winter die Alpen, denn er ist ein Zugfalter, der – anders als der Zitronenfalter – kein Glycerin im Blut hat und daher in den Süden fliegen muss, um hier nicht zu erfrieren.

Diese globalen, natürlichen Systeme werden nun nachhaltig gefährdet durch den Klimawandel, den nicht nur Trump sondern auch die geistigen Tiefflieger der AfD als Märchen abtun.

Die Zukunft säen

Doch noch einmal zurück zum Taubenschwänzchen und zu den anderen Faltern in Not. Sie könnten sich doch einfach zusammentun, könnten wie das Eichhörnchen dafür sorgen, dass ihnen bald viel mehr Futter wächst und neues blüht. Sie könnten deutlich mehr Blüten bestäuben, wodurch die Pflanzen deutlich mehr Früchte und Samen bilden, die dann ausfallen, im nächsten Jahr keimen, wachsen und massenhaft blühen. Wäre das keine tolle Vorstellung? Die Falter säen sich geschlossen die Zukunft, die sie sich wünschen? Zusammen und als Gegenpol zum „Irrweg Nationalismus“?

Eine isolierte Lebensweise, welche sich Nationalisten heutzutage wünschen, kann in einer Welt wie der unseren gar nicht funktionieren.
Sie ist wider die Natur.

Natürlich ist auch der Kapitalismus wider die Natur. Er beutet aus und verbraucht mehr Ressourcen, als wir zur Verfügung haben.
Aber was, wenn wir es schaffen, die Globalisierung als Chance zu gestalten, dass wir alle auf dieser Welt, mit dieser Welt, und von dieser Welt leben können?
Was wenn jeder Falter, egal aus welchen Breiten er stammt, so viele Blüten wie möglich bestäubt, damit so viele Früchte und Samen wie möglich zusammenkommen? Und somit eine bessere Zukunft daraus keimt und erwächst?
Dies wäre die Lösung vieler unserer Probleme.

Doch leider sind wir keine Falter, leider sind wir nur die Krone der Schöpfung. Und die Krone scheint bei einigen Menschen zu fest auf dem Kopf zu sitzen, die Blutversorgung Hirns einzuschränken und das Denken zu verhindern, einen Scheuklappeneffekt zu bewirken. Schade, denn wenn man bedenkt, dass es selbst diese angeblich so „niederen“ Mitgeschöpfe – auch Tiere genannt – selbst mit unterschiedlichen Spezies weitgehend friedlich zusammen zu leben und zumindest keinen Genozid, keinen Massenmord und keine Vertreibungen im großen Stil zu begehen… Und dass es der Mensch nicht mal innerhalb seiner eigenen Spezies, innerhalb seines eigenen Fleisch und Blutes, vollbringt, friedlich und gerecht zusammen zu leben…

Die Mär von der „Krone der Schöpfung“ stammt aus biblischen Zeiten. Doch wie bereits Papst Franziskus in seiner „Enzyklika Laudato si – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ im Jahr 2015 treffend beschrieben hat, ist diese Krone kein Selbstläufer. Dem Menschen wurde mit dieser „Krönung“ die Verantwortung für die Welt und die Schöpfung übertragen – nicht die Macht. Das ist ein entscheidender Unterschied. Und nicht jeder, der sich eine Krone auf den Kopf setzt, hat das Zeug zum König…
Wichtig ist auch hier nicht das, was auf dem Kopf sitzt, sondern was sich in ihm befindet. Rassen- und Größenwahn, Gier, Egoismus und dumme Parolen sollten es sicherlich nicht sein…

 

 

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