Frankenstein im Garten?

Weiße Salatgurken, weiße Monatserdbeeren, Rattenschwanzrettich und Erdbeerspinat wachsen in meinem Garten. Doch was sind denn das für seltsame Gemüsesorten? Welcher kranke Genforscher hat hier seiner Kreativität freien Lauf gelassen und so der Natur ins Handwerk gepfuscht? Genetisch veränderte Pflanzen landen immer öfter auf den Feldern und so auch auf unseren Tellern. Und selbst das gute alte Blumenbeet im Garten, die Friedhöfe oder Balkonkästen sind vor dieser bedenklichen Entwicklung nicht mehr gefeit.

Zuletzt riefen nordrhein-westfälische, orangefarbene Petunien die Überwachungsbehörden auf den Plan. Diese Farbe ist für diese Blumenart sehr ungewöhnlich und es stellte sich heraus, dass es sich wohl um eine genetisch veränderte Variante der Zierpflanze handeln muss. – Eine wohl bemerkt nicht zugelassene Variante!

Wie sie in den Handel kam ist offenbar genauso wenig bekannt, wie die Risiken, die von ihr ausgehen könnten. Bekannt ist nur, dass man sie so schnell wie möglich wieder aus dem Handel nahm und das Treiben hatte ein vorläufiges Ende gefunden. Inwieweit genetisch veränderter Pollen oder anderes Zellmaterial in Umlauf gebracht wurde, kann natürlich nicht gesagt werden. Aber prinzipiell ist scheinbar alles sicher, wenn nur der Teppich groß genug ist, unter den man die Unsicherheit kehren kann.

Doch auch unabhängig von der Frage, welche Folgen die Freisetzung hatte: Dass die Blume aus dem Verkehr gezogen wurde, ist kein wirkliches Ende dieses ganzen Wahnsinns. Genau genommen ist der „Petunien-Zwischenfall“ nur die Spitze des Eisberges, denn genetisch veränderte Pflanzen finden ihren Weg auf die Felder und somit auch auf unsere Teller. Dabei weiß keiner, welche Langzeitwirkungen es haben wird, wenn bestimmte Gene in Pflanzen beeinflusst oder gar Komponenten von anderen Lebewesen hinzugefügt werden. Man spielt quasi „Russisch Roulette“ mit der Natur und der Gesundheit von uns allen.

Ein Blick ins Beet

Doch warum pflanze ich bei der Überzeugung dann bitteschön Gemüsesorten wie die „Weiße Salatgurke“ oder den „Erdbeerspinat“ im Garten? – Sorten, die nach Frankenstein und Gentechnik klingen.
In Wirklichkeit klingen sie nur danach, und stehen in keinem Zusammenhang mit der industriellen Saatgutproduktion heutzutage.

Den Erdbeerspinat hat beispielweise die Natur selbst hervorgebracht. Und wie immer ist es eine gelungene Kreation.
Er stammt wohl ursprünglich aus Amerika, wurde aber in unseren Breiten bereits um den Dreißigjährigen Krieg herum angebaut, fand seinen Weg in die Gärten. Zu Zeiten des Kaiserreichs waren in Deutschland gerade die Beeren des Erdbeerspinats eine leckere Delikatesse bei Empfängen. Denn der Erdbeerspinat hat gleich zwei leckere Pflanzenteile zu bieten: Die Blätter kann man wie Spinat zubereiten. Aber auch die Beeren, die an den Stängeln reifen, schmecken superlecker. Sie sehen aus wie Erd- oder Himbeeren. Doch wenn man hineinbeißt, wird man geschmacklich sehr überrascht. Das Aroma erinnert an Rote Bete und eine gewisse Schärfe dazu macht die Beeren zu einem Geschmackserlebnis.

Erdbeerspinat
Erdbeerspinat

Es ist wirklich schade, dass das Fuchsschwanzgewächs nach Ende des Kaiserreichs in Vergessenheit geriet und heute nur noch sehr selten angebaut wird. Ja, es droht komplett wie viele andere alte Gemüsesorten den Interessen der Saatgutriesen und der Handelsketten zu weichen.

Auch die Weiße Salatgurke ist keine hybride Kreation eines Wissenschaftlers. Vielmehr hat sie eine lange Nutzungsgeschichte aufzuweisen. Die Gurke ist wärmebedürftig, weshalb sie bei mir auch einen Platz an der Sonne und im Treibhaus bekommen hat. Damit die Blüten allerdings auch befruchtet werden, lasse ich sie an der Tür heraus wachsen. Die erste Gurke mit einer Länge von 30 Zentimetern konnte ich schon genießen. Zwar ist die Schale dieser Sorte etwas fester, dafür ist die Gurke sehr saftig und auch sehr aromatisch. Sie hat in dieser Größe keine zähen Kerne.

Weiße Salatgurtke
Noch etwas grün, doch am Ende wird sie fast cremefarben – die Weiße Salatgurke

Die Weißen Monatserdbeeren sind etwas ganz Besonderes. Auch sie sind eine alte Züchtung und liefern über einen längeren Zeitraum leckere Früchte. Die Beeren schmecken beinahe so süß wie Honig, sind zwar etwas kleiner als andere Erdbeeren, aber dies gleicht eben der tolle Geschmack wieder aus.

Auch der Rattenschwanzrettich ist eine alte und relativ wenig genutzte Sorte – zumindest in unseren Breiten. Denn sie stammt ursprünglich aus Asien. Die Besonderheit bei diesem Rettich ist: Man isst nicht etwa die Rüben, sondern die Schoten. Bisher habe ich diese Sorte noch nicht angebaut, aber die Samen stehen schon in den Startlöchern und ich bin gespannt auf das Ergebnis.
Gleiches gilt für die Spargelzichorie, die ich noch aussäen werde.

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Relativ harmlos fürs Gemüsebeet, und sogar nützlich: Die Gelbe Wegschnecke
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Ganz schön – aber auch ganz schön verfressen: Die Spanische Wegschnecke

In einigen Wochen werde ich dann vielleicht – wenn der Schneckenschutz funktioniert – auch hier die ersten Früchte ernten können. Denn Schnecken habe ich in diesem Jahr in Massen im Garten. Nachdem es in den letzten Tagen endlich geregnet hatte, freute ich mich schon für die Natur und meine Gemüsepflanzen. Doch dann sah ich sie: Die Schnecken-Invasion vom nahen Graben ausgehend. Dort krochen mindestens fünfzig „Spanische Wegschnecken“ pro Tag herum und freuten sich schon sehr auf ihr Festmahl im Beet. Selbst der Schneckenzaun, den ich rund um mein Hochbeet installiert hatte, half nur noch bedingt. Und von den Pflanzen, die außerhalb saßen, blieben nur Gerippe übrig.

Freibier an Halloween…

Dann kam ich die Tage in den Garten und wunderte mich: Die Schnecken hatten sich offenbar in der Jahreszeit geirrt und einen schönen Kürbis von etwa zehn Zentimetern Durchmesser ausgehöhlt… Dachten sie etwa, es wäre Halloween? Das herbstliche Wetter könnte wirklich zu dieser Vermutung geführt haben. 😉
Doch spätestens jetzt, als es meinem Kürbis Pattison an den Kragen ging – einem tollen und leckeren Kürbisgewächs (weiß, rund und flach) – hörte der Spaß endgültig auf!

Obwohl es mir wirklich nicht leicht fiel, da ich eigentlich jedes Wesen als wertvoll erachte, entschied ich mich für den schnellen „Todschlag“ mit dem Spaten, denn anders konnte man dieser Schneckenplage gar nicht mehr Herr werden.

Und für die restlichen Schnecken gab es „Freibier“.
Ich stellte Bierfallen auf, aber nicht in meinem Garten. Denn nicht nur Schnecken aus dem eigenen Garten werden durch diese Fallen angezogen, kriechen ins Glas, fallen ins Bier und sterben. Der Geruch zieht natürlich auch die Schnecken aus anderen Gärten an… Und die machen sich dann, wenn die Falle voll ist, da sie bereits schon vor Ort sind, über den restlichen Salat her.

Nein, ich positionierte sie auch nicht beim „Lieblings-Gartennachbar“ im Salatbeet. 😉

Ich stellte sie ans Ufer des Grabens und kontrollierte dabei auch, dass vorwiegend Spanische Wegschnecken vom Angebot Gebrauch machten.
Denn unter den einheimischen Nackt- und Gehäuseschnecken gibt es sehr viele unschädliche oder sogar nützliche Tiere. Weinbergs- und Wegschnecken fressen beispielsweise mit Vorliebe die Eier der Spanischen Wegschnecke auf. Sie fressen außerdem Unkräuter und meist keine Gemüsepflanzen.

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Upcylcling im Hochbeet: Mit dem Teppichmesser den Boden entfernt, sind solche Getränkebecher ein hervorragender Schneckenschutz und Mini-Treibhaus für junge Pflanzen.

Gleichzeitig stattete ich meine Beete mit noch mehr manuellem Schneckenschutz aus.
Und all das zeigte Wirkung.

Natürliche Anpassung

Doch Wirkung zeigt es auch, wenn Pflanzen sich anpassen. Alte Sorten verfügen über ausgeklügelte Mechanismen, wie sie sich vor Fraßfeinden schützen. Kein Wunder: Es geht den Pflanzen ja ums nackte Überleben. Und die Natur hat bereits in Jahrmillionen ausgeklügelte Systeme entwickelt, um beispielsweise Pflanzen vor Feinden zu schützen.

So wurde bereits beobachtet, wie von Schädlingen überfallene Pflanzen den anderen mittels bestimmter Stoffe, die über die Luft verteilt werden, die Gefahr mitteilen. Und die anderen Pflanzen begannen daraufhin spezielle Stoffe zu produzieren oder freizusetzen, die sie für Schädlinge giftig oder unattraktiv machten.
Andere Pflanzen wiederum beherbergen Ameisen, die an ihren Wurzeln oder in den Stängeln leben. Kommt ein Fraßfeind, schaut der dumm in die Röhre, wenn ihm plötzlich eine ganze, mit gefährlichen Mundwerkzeugen und Säure ausgestattete, Armee gegenübersteht…

Weicheier geschaffen

Soweit die Arbeit der Natur. Doch der Mensch hat viele Pflanzen so gezüchtet, dass sie bestimmte Eigenschaften haben, die ihm lieber sind. So sind sie nicht mehr bitter, haben andere Farben oder Geschmacksrichtungen. Durch diese Zucht jedoch hat man gleichzeitig den Pflanzen Eigenschaften entzogen, mit denen sie sich schützen konnten.

Und nun möchte man im Nachhinein mit Hilfe der „Grünen Gentechnik“ diese Eigenschaften den angepassten Hochleistungssorten zurückgeben. – Auf absolut unnatürlichem Wege, mit ungewissem Ausgang und unklarer Wirkung.

Warum lässt man die Natur nicht machen, wie sie es seit Jahrmillionen bereits getan hat? Und warum nutzt man nicht die alten Sorten, die angepasster und robuster sind, als die neuen Spitzenzüchtungen?

Um zurück zu meinem Garten zu kommen: Gegen die „Spanische Wegschnecke“ sind leider viele Pflanzen nicht geschützt. Sie ist einfach zu aggressiv und außerdem wurde sie vom Menschen in unsere Breiten eingeschleppt. Hier hat sie keine natürlichen Feinde!

Im Regelfall stellt die Natur den übermäßig auftretenden Tieren einen natürlichen Feind entgegen. Und so etwas ähnliches wäre die Laufente. Zwar sind auch Igel und Kröten gute Schneckenvertilger. Doch die Laufente toppt sie bei weitem.

Leider frisst sie neben Schnecken auch Gemüsepflanzen und nimmt einen Naturteich mit Leichtigkeit auseinander. Auch so einen, den ich gerade mit Mühe eingerichtet habe…

Von daher bin ich hier noch unschlüssig und denke, die Laufente wäre doch nicht die erste Wahl.
So ist zunächst einmal Prävention angesagt. – Schneckenzaun, Schneckenkragen, Sand rund um die Pflanzen. Und allem voran: Robuste Pflanzen

 

 

 

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2 Gedanken zu “Frankenstein im Garten?

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