Bienen sterben

Heute gehts mal wieder um die Bienen – um das große Summen. Das jedoch immer öfter einem Schweigen weicht.
Nicht nur in Rheinland-Pfalz haben viele Bienenvölker den Winter nicht überstanden.
Noch hat man keine Beweise, doch Hinweise allemal…
Etwas Schlimmes geht vor, im Land wo Honig fließt. Und es ist nicht das Verschulden der „Varroa-Milbe“, die der Europäischen Honigbiene schon seit Jahren das Leben schwer macht.

Das Problem scheint vielmehr darin zu liegen, dass die Bienen vergiftet werden. Hinweise hierfür gibt es genug. Pollenproben, die im letzten Jahr bundesweit genommen wurden, offenbaren einen wahren Giftcoctail, den unsere Honiglieferanten aufnehmen. Der Pollen, den sie in ihre Waben bringen ist kontaminiert mit unterschiedlichsten Pestiziden.

Stolze 96% aller Proben enthielten Pestizidrückstände.
Und dies teils in bedenklicher Konzentration. In Rheinland-Pfalz enthielt der Pollen eines Volkes einen Coctail aus 34 verschiedenen Pestiziden.

Gerade Neonicotinoide bewirken bei Bienen Orientierungslosigkeit und eine Einschränkung der Lernfähigkeit. Sie kommen einfach nicht mehr zum Stock zurück, weil sie ihn nicht mehr finden. Oder sie finden kein Futter mehr.

Franz Botens, der Imker unseres Imker-Kurses, hat hierüber am 26.06.2017 auch bei der SWR-Sendung „Kaffee oder Tee“ bereichtet, da die offiziellen Stellen offenbar andere Prioritäten setzen und keinen konkreten Handlungsbedarf sehen bzw. keine konkrete Handlung zeigen. Hier ist das Video zu finden

Dies war Grund genug für mich, den zuständigen Minister in Rheinland-Pfalz (Dr. Volker Wissing) und den Minister auf Bundesebene (Christian Schmidt) anzuschreiben. Je mehr Menschen dies tun, desto größer wird der Handlungsdruck und vielleicht bewegt sich bald etwas.

Daher: Nachmachen ist gerne gewünscht, der Text ist frei nutzbar.


Herrn Minister Christian Schmidt
Bundesministerium für Ernährung und
Landwirtschaft (BMEL)
11055 Berlin.

Sehr geehrter Herr Schmidt,

nicht nur deutschlandweit sterben viele Völker der Honigbiene.
Ich verfolge diese Entwicklung mit Besorgnis, da ich selbst im nächsten Jahr Bienen halten möchte und mich daher momentan intensiv mit der Thematik beschäftige. Auch habe ich als regionaler Buchautor für meinen Kriminalroman „Todes Mais“, der im Jahr 2014 erschien und im Zusammenhang mit der Honigbiene steht, intensiv recherchiert.

Mein Fazit: Als Ursache des Bienensterbens spielen unterschiedliche Aspekte zusammen.

  1. Aufgrund von Monokulturen und fehlender Blütenvielfalt / ungenügendem Futterangebot wird die Honigbiene geschwächt. Dies macht sie krank und in jedem Fall anfälliger für Schädlinge (Varroa,…) und Umweltgifte 
  2. Umweltgifte tragen maßgeblich zur Schwächung und zum Bienensterben bei. Dies geschieht direkt durch bienengefährliche Gifte aus der Landwirtschaft (z.B. stören Neonicotinoide die Orientierungs- und Lernfähigkeit, die Tiere finden keine Nahrung oder nicht mehr zurück in den Stock) Zumindest indirekt steht zudem das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat im Zusammenhang mit dem Bienensterben. Denn es trägt maßgeblich dazu bei, dass die Wildpflanzenvielfalt extrem schwindet, und mit ihr das Futterangebot und die Blütenvielfalt. 
  3. Hausgemacht ist die Schwächung der Europäischen Honigbiene aufgrund von Zuchtmaßnahmen, die die Tiere friedlicher, umgänglicher, aber somit auch angreifbarer gemacht haben. Zugleich ist es die konventionelle Bienenhaltung, die der Bienengesundheit sicherlich nicht zuträglich ist. (Honigvorrat wird entnommen und durch Zuckerwasser ersetzt; der Schwarmtrieb als reinigende Maßnahme wird unterbunden,…)

Maßgeblich erscheint mir hier jedoch der Zusammenhang der ausgebrachten Umweltgifte, die durch verschiedene Versuche und Studien bereits mit der Erkrankung von Bienen und dem Sterben der Völker (oder auch allgemein der Insekten) in Verbindung gebracht werden konnten.

Wie der Bio-Imker Franz Botens in der TV-Sendung „Kaffee oder Tee“ (SWR-Fernsehen) vom 26.06.2017  berichtet hat, wurden in über 90% aller Pollen-Proben aus Bienenvölkern in Deutschland über 30 unterschiedliche Pestizide nachgewiesen. Und dies in bedenklichen Konzentrationen. Dies ist erschreckend und wenn man bedenkt, dass es sich bei diesen Stoffen um giftige Substanzen handelt – wen wundert es da, dass die Bienen krank werden und sterben?

Nun stehen den Forderungen nach einem Verbot von Pestiziden stets die Interessen der Landwirte entgegen, welche die Pestizide aufgrund konventionellem Anbau benötigen, um dem Schädlingsdruck standhalten zu können. Es werden ökologische gegen ökonomische Interessen abgewogen und am Ende siegt das Interesse der Wirtschaft. – Argumente wie Arbeitsplatzsicherheit, Ernährungssicherheit und Wirtschaftlichkeit werden dem ökologischen Gedanken entgegengesetzt.

Dies ist jedoch ein Irrtum! Denn es ist ein Irrglaube, wenn man denkt, Ökologie hätte nichts mit Ökonomie zu tun. Genau genommen spielen beide nämlich ineinander.
Gerade die Landwirtschaft kann ohne funktionierende Ökosysteme nur schwer bestehen. Die Böden sind nur nachhaltig fruchtbar, wenn in ihnen Leben herrscht. Viele Blüten entwickeln sich erst zu Früchten, wenn sie durch Insekten bestäubt wurden. Monokulturen sind in hohem Maße anfällig für Schädlinge – funktionierende Ökosysteme mit einer hohen Biodiversität dagegen sorgen selbstregulierend dafür, dass es kein Überangebot bestimmter Tiere gibt. Ein Fraßfeind schafft hier Abhilfe, ganz ohne die chemische Keule.

Die Honigbiene hat einen Anteil bei der Bestäubung von Kulturpflanzen von bis zu 90%. Wildpflanzen (sehr wichtig für funktionierende Ökosysteme) bestäuben sie auch (Anteil 50%)

Der Deutsche Imkerbund sagt hierzu folgendes:

  • Rund 80 % der 2.000 – 3.000 heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Honigbienen als Bestäuber angewiesen.
  • Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung übersteigt den Wert der Honigproduktion um das 10- bis 15-fache. Dies sind rund 2 Miliarden Euro jährlich in Deutschland und 70 Milliarden US-Dollar weltweit.
  • Damit sind Bienen eine der 3 wichtigsten Nutztiere neben Rind und Schwein.
  • Auch Obst und Gemüse profitieren deutlich, denn Erträge und Qualitätsmerkmale wie Gewicht, Gestalt, Zucker-Säure-Gehalt, Keimkraft, Fruchtbarkeit und Lagerfähigkeit werden deutlich gesteigert.

Was geschieht, wenn die Honig- und Wildbienen, sowie andere bestäubende Insekten aufgrund von Giften oder monokulturellen Wüsten komplett verschwinden, lässt sich in China beobachten. Dort sind regelmäßig Menschen mit Pinseln unterwegs und bestäuben die Apfelplantagen per Hand!

Ich denke, kein Landwirt in Deutschland möchte in Zukunft seine Obstbäume per Hand bestäuben. Und dieses Beispiel macht deutlich, dass auch den Landwirten (und Ihnen als zuständigem Minister) sehr viel an den Bienen liegen muss, denn sie sind abhängig von ihnen, ebenso wie die Natur. Fällt ihre Bestäubungsleistung weg, sieht es sehr düster aus.

Nun appelliere ich an Sie, vorhandene Studien zu beachten und neue zu beauftragen, um baldmöglich dem Bienensterben mit allem Nachdruck entgegnen zu können. Sicherlich stehen hinter den besagten umweltschädlichen Substanzen auch Konzerne, wie Bayer, Monsanto & Co. Und sie verdienen selbstverständlich daran, wenn Landwirte von ihren Spritzmitteln abhängig sind, da sie monokulturelle Wüsten anders gar nicht mehr gegen Fraßfeinde und Krankheiten verteidigen können.

Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken sollten wir voran gehen und eine Revolution innerhalb der Landwirtschaft wagen.

So können Ökologie und Ökonomie Hand in Hand dafür sorgen, dass wir am Ende nur noch auf wenige Chemikalien in der Landwirtschaft angewiesen sind. Wer sich die Natur zum Partner macht, der hat den mächtigsten Partner dieser Welt an seiner Seite. Denn schließlich ist es ja die Natur, die uns hervorgebracht hat und unsere Welt inmitten des lebensfeindlichen Weltalls am Leben erhält.

Ich bitte um eine Stellungnahme und danke im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen

 

 

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4 Gedanken zu “Bienen sterben

  1. China ist hier Vorreiter. Dort gibt es ganze Landstriche, die Insektenfrei sind – den Insektiziden sei dank. In den Obstanbaugebieten dort bestäuben Menschen mit Hilfe von langen Pinseln die Obstbäume. Kein Witz.
    http://www.presseportal.de/pm/25171/3047184
    Die Auswirkung auf Honigbienenvölker kann man sozusagen zählen, anhand der gestorbenen Völker und anhand der Menge des gesammelten Pollens und Nektars. Wie sich die Insektizide auf die Wildbienen und anderen Insekten auswirken, läßt sich nur erahnen… Aber Mensch will es anscheinend nicht anders. Er lernt nicht aus Fehlern, die woanders schon mal gemacht wurden.

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