Selbstversorgung

Selbstversorgung ist ein Begriff, dem ich noch mehr Leben einhauchen möchte. Und zwar über das Gemüsebeet im Garten hinaus. Daher geht’s heute ganz praktisch mal wieder um meine Schritte zu mehr Selbstversorgung. Dabei hat es in den letzten Wochen Fortschritte gegeben, die ich nicht vermutet hätte. Gleichzeitig gab es aber auch Rückschläge, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Doch habe ich durch diese Rückschläge etwas gelernt: Zimt schmeckt nicht nur gut…

Zunächst einmal das Positive: Mein Experiment zur kontinuierlichen Pilzernte im Keller ist geglückt. Zwar kann ich keine riesigen Mengen Pilze ernten, doch habe ich aus einem Pilzpaket inzwischen bereits einige Kilo leckerer Pilzkörper herausgeholt. Und das mit einem verblüffend einfachen Verfahren. Nachdem ich die Nutzung von Kaffeesatz ausprobiert hatte, damit die Pilze weiterwachsen, habe ich mich schließlich für torffreie Pflanzerde entschieden. Denn der Kaffeesatz brachte keinen Erfolg, außer dass er nach einigen Tagen sehr modrig stank. Die Pflanzerde dagegen mischte ich einfach mit dem mehrfach abgeernteten Pilzsubstrat, das offenbar keine Nährstoffe mehr zu bieten hatte. Dann feuchtete ich das Substrat an. Und tatsächlich wuchsen nach wenigen Wochen neue Pilzkörper aus der Erde hervor.

Pilze

Dabei achtete ich darauf, dass das Substrat nicht austrocknete, dass es aber auch nicht zu nass war. Staunässe würde das Pilzmyzel absterben lassen. Und auch Trauermücken und andere Schädlinge anziehen.

Zimt mit „Z“ – wie „Zaubermittel“

Stichwort: „Trauermücken“. Schon wären wir beim ersten „Rückschlag“ angelangt. Meine ausgesäten Tomaten keimten dieses Jahr erschreckend kümmerlich bis gar nicht. Einige Sorten hatte ich mir schon vor ein paar Jahren gekauft und bei ihnen kann es durchaus damit zusammenhängen, dass die Keimfähigkeit mit der Zeit nachlässt. Doch selbst jenes Saatgut, das ich letztes Jahr selbst aus den Früchten gewonnen hatte, wollte teilweise nicht keimen. Manche Keime streckten auch ihre Blättchen aus der Erde, um dann zu welken und einzugehen.
Schnell hatte ich dann auch den Übeltäter ausgemacht: Die Trauermücke. Zusammen mit einer offenbar etwas unguten Aussaaterde, die zum Schimmeln neigt, haben sie wohl meinen zarten Keimen den Garaus gemacht. Was also tun?

Durch Zufall las ich in einer Illustrierten, wofür bestimmte Gewürze gut seien. Und stieß dabei auch auf Zimt, der angeblich die Trauermücke vertreiben oder gar ausschalten und den Schimmel stoppen sollte. Zunächst glaubte ich, es handele sich um einen dieser Artikel, die man öfter in Zeitschriften liest und die keinen wahren Kern hatten. Doch dann dachte ich mir: Was soll’s? Ich probiere es einfach mal aus.

Tomaten

Und siehe da: Die neu eingesäten Tomatensamen begannen (übrigens in der gleichen Aussaaterde) zu keimen. Es gab auch keine Schimmelspuren auf der Erde.
Die kleinen Pflänzchen sehen nun kräftig aus. Einiges Saatgut scheint zwar definitiv zu alt gewesen zu sein. Doch zumindest das selbst geerntete keimt hervorragend und gedeiht.

Der Treibhaus-Effekt

Ein weiterer Rückschlag war der Versuch, mein Treibhaus im Januar mit Hilfe von ranzigem Sonnenblumenöl zu „heizen“. Kleiner Tipp für den, der es versuchen möchte: Wenn, dann darf das Feuer keinesfalls direkt mit dem Öl in Verbindung kommen. Sonst gibt es neben einer größeren Flamme auch relativ viel Rauch.  🙂

Kurz zusammengefasst hatte ich Anfang des Jahres ein leeres Glas genommen, mit einem Draht eine Halterung für einen Docht gebogen und diesen in das Glas gestellt. Dann hatte ich das Gefäß mit Sonnenblumenöl aufgefüllt, den Docht angezündet und wollte damit die Temperatur in meinem Treibhaus „klimaneutral“ über dem Gefrierpunkt halten. Damit die Wärme gespeichert würde, hatte ich auch noch eine Tonglocke mit Loch über die selbst gebaute „Öl-Lampe“ gestülpt, wobei aber Luft an die Flamme kam.
Zunächst schien alles gut zu sein, der Docht brannte und die Glocke erwärmte sich. Bis die Flamme dann das Öl erreicht hatte. Als ich zum Treibhaus kam, sah ich bereits eine etwa 10 Zentimeter hohe Flamme, die aus der Tonglocke heraus flackerte. Als ich die Tür öffnete, kam mir stinkiger Rauch entgegen und ich löschte das Feuer mit Erde ab.
Später habe ich erfahren, dass die Konstruktion einen entscheidenden Fehler hatte: Man muss eben dafür sorgen, dass die Flamme nicht direkt mit dem Öl in Verbindung kommt. Dann soll es wohl funktionieren.

Ich entschied mich dann jedoch lieber für die weniger umweltfreundliche Alternative und verwendete Grablichter, um das Innere frostfrei zu halten. Dabei stülpte ich auch eine Tonglocke über die Kerze und die Temperatur stieg tatsächlich an. So konnte ich Forellenschluss-Salat einsäen und er keimte dann später sogar. Ich konnte mit diesem Hilfsmittel tatsächlich das Treibhaus weitgehend frostfrei halten.

Forellenschluss
Forellenschluss im Treibhaus

Doch für mich persönlich war diese Art des früheren Anbaus von Salat wenig sinnvoll. Ich denke, es macht eher Sinn, wenn man im Herbst bereits Salat gesät hat und diesen vorm Erfrieren schützen möchte, um ihn noch im Winter abernten zu können. Denn während draußen Frost herrscht und im Treibhaus die Temperatur um die 5°C liegt, keimt kein Salat.

Blühender Feldsalat

Da vertraue ich dann doch lieber auf den guten alten Feldsalat, der sich übrigens von selbst aussät, wenn man nach der Ernte im Frühjahr einfach ein paar Pflanzen zum Blühen stehen lässt. Man kann sich also das Aussäen im nächsten Jahr sparen, wenn man das Stück, auf dem der Feldsalat sich ausgesät hat, das restliche Jahr nicht bearbeitet. Genauso ist es auch beim Winterpostellein (auch Portulak genannt) – ein sehr leckerer Salat, den man wie den Feldsalat auch in Herbst, Winter und Frühjahr ernten kann.
So habe ich bereits im letzten Jahr einen kleinen Bereich im Garten, der im Sommer ohnehin zu schattig für Bepflanzungen ist, der Selbstverbreitung des Feldsalats und des Postellein überlassen und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Auch mein „Salat aus der Flasche“, von dem ich im Januar berichtet hatte, hat sich hervorragend entwickelt und ist erntereif. Er steht auf der Fensterbank und wächst nur durch Wasser und Dünger. Natürliche Aufzucht sieht zwar anders aus, aber er ist sicher eine Alternative zum konventionellen Salat aus dem Supermarkt, der in Spanien angebaut wurde. Auch wenn die Menge etwas dürftig ist und nur für eine Mahlzeit ausreicht…

Salat in der Flasche
Forellenschluss in der Flasche

So richtig ist es mir also noch nicht gelungen, mich im Winter selbst vermehrt mit Gemüse zu versorgen. Daher werde ich wohl für den nächsten Herbst und Winter meinen Schwerpunkt auf Sprossen setzen, die sehr viele Vitalstoffe zu bieten haben. Und die man auch einfach in der Küche sprießen lassen kann. Außerdem möchte ich mich dem Fermentieren widmen, um Gemüse aus dem Garten auch für den Winter haltbar zu machen… Und ich werde einige Salate im Herbst ins Treibhaus aussäen, damit sie den Winter überdauern und dann im Frühjahr geerntet werden können.

Aber jetzt ist erst mal Frühling angesagt.

Und im nächsten Post werde ich mich u.a. der Frage widmen, wie ich nun die mühsam gezüchteten Tomaten auf der Fensterbank dazu bringen kann, im Garten später möglichst viel Frucht anzusetzen.

10 Gedanken zu “Selbstversorgung

  1. Eigene Pilze! Wie cool ist das denn!
    Dass Zimt geholfen hat, glaub ich sofort. Der hat antibakterielle Wirkung.
    Wir haben diesen Winter auch mit Kerzen geheizt, unseren Erdkeller. Erstaunlich, dass das funktioniert, oder? Eine kleine Kerzenflamme, und schon bleibt der Frost draußen!
    Da hast du dir ganz schön was vorgenommen: Dich den Winter über vermehrt selbst zu versorgen. Respekt! Ich bin gespannt, was du weiter berichtest 🙂

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    • Hallo und danke für den Kommentar. Ja, das mit den eigenen Pilzen ist echt genial. Allerdings versuche ich hier noch zu optimieren, denn so richtig wollen sie noch nicht. Ich werde demnächst mal den Versuch starten, sie im Garten und auf frischem Kompost anzubauen.
      Du hast recht – es ist wirklich erstaunlich, dass eine Kerzenflammen verhindert, dass der Frost zuschlägt. Welche Kerzen habt ihr verwendet? Ich war etwas skeptisch, da ja auch Palmöl in vielen Kerzen enthalten ist. Daher der versuch mit dem Öl – der ja leider schief gelaufen ist… Ich finde Deinen Erdkeller extrem spannend.

      Ich bin gespannt, inwieweit mir die vermehrte Selbstversorgung im Winter gelingen wird. Ich werde mich jetzt in der warmen Jahreszeit über Möglichkeiten informieren. Ich denke, gerade mit Sprossen lässt sich da einiges machen. Und ich habe vor kurzem eine starke Löwenzahnpflanze in einen Topf gepflanzt, wo sie draußen wachsen kann. Im Herbst werde ich sie dann zurückschneiden und sie in den Keller stellen. Ich habe gehört, sie treibt dort ähnlich wie Chiccore immer wieder aus, ist weniger bitter als gewöhnlicher Löwenzahn und liefert jede Menge Vitamine auch den ganzen Winter über.
      LG und schöne Osterfeiertage

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  2. Stimmt, die Sache mit dem Palmöl in Kerzen. Daran hab ich gar nicht gedacht, muß ich mir merken für den Nachschub, den wir für den nächsten winter dann brauchen. Diesen Winter haben lauter Kerzenreste und geschenkte Kerzen verbraucht.

    Das mit dem Löwenzahn ist ja interessant! Hast du dir auch überlegt, im Sommer was für den Winter einzumachen/einzulegen? Kennst du Dr. Strauß? Er hat sich über mehrere Jahre komplett aus der Natur ernährt. Hier der Link zu seiner Homepage: http://www.dr-strauss.net/. Dort wirst du sicher fündig 🙂 Im Frühjahr macht er alle möglichen Pestos usw. Über seinen Newsletter, für den man sich anmelden kann, bekommt man regelmäßig an die aktuelle Saison angepasste Rezepte. Er hat auch mehrere Bücher geschrieben. Ich kam leider noch nicht so dazu, mich da reinzufuchsen und hab bisher nur wenig ausprobiert. Aber wenn er von seinen Rezepten erzählt, läuft einem das Wasser im Mund zusammen! Ich hab ihn auf mehreren Vorträgen erlebt. Ein sehr faszinierender Mensch!

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    • Ja, ich werde mich auch noch mal nach Kerzen umschauen, die kein Palmöl enthalten. Ich konnte ja am Ende leider nur die Grablichter als Dauerbrenner verwenden und die enthalten garantiert Palmöl…
      Ich möchte im nächsten Winter das Treibhaus auch wieder relativ frostfrei halten. Was ich mir hier auch schon mal überlegt hatte ist der Einsatz von Mist. Der gibt ja jede Menge Wärme ab und ich habe schon mal ein Treibhaus gesehen, das mit Hilfe von Mist „beheizt“ wurde. Also der war in der Erde eingegraben, außerhalb der Wände und hat so Wärme nach innen abgegeben. Mal schauen… Dieses Jahr wird das aber nichts mehr werden, da ich gerade mit der Neuanlage eines Teichs beschäftigt bin. 🙂
      Einmachen und einlegen möchte ich dieses Jahr in jedem Fall. Ich dank Dir für den Link-Tipp, werde gleich mal vorbeischauen und mich für den Newsletter anmelden.

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  3. Hallo Grünschreiber!
    Hier steht ja noch meine Antwort aus, ich hab´s nicht vergessen! Aber ich finde die Seite nicht mehr, deren Link ich dir hier geben wollte.
    Im Prinzip ist das aus dem Permakulturbereich. Wenn du nach „Gewächshaus heizen mit Mist“ suchst, wird u. a. dieses Selbstversorgerforum
    https://www.selbstvers.org/forum/viewtopic.php?f=25&t=3516&p=53518
    und dieser Permakulturblog
    http://permakulturblog.de/wie-du-dein-gewaechshaus-ganzjaehrig-nutzen-kannst/
    angezeigt.
    Aber vielleicht hast du diese Sieten bei deinen Recherchen ja eh schon entdeckt.
    Tut mir leid, dass ich diese eine Seite nicht mehr finde!
    Herzliche Grüße! 🙂

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    • Hallo und danke für den Link-Tipp zum Heizen mit Mist. Ich schau mir das später direkt mal an. Hatte in der Zwischenzeit so viel mit dem neuen Teich zu tun. Aber ist ja auch noch ein bisschen Zeit bis zur nächsten Treibhaus-Saison. ;.)
      Herzliche Grüße
      Torsten

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  4. […] Ja, und was man am Ende noch angeben soll sind die erfolgreichsten Posts. Hierzu zählt ein Artikel zum Bienensterben aus dem Jahr 2017: Friede, Freude, Honigkuchen Es folgt ein Beitrag zur Frage, ob denn wirklich alles „bio“ ist, wo „bio“ drauf steht: Alles Bio oder was? Und der dritte Beitrag behandelt die Frage nach der Selbstversorgung. […]

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