Tod unter Palmen

Palmöl – ein Alleskönner: Es ist billig herzustellen, vielseitig einsetzbar, entfaltet hervorragende Eigenschaften bei der industriellen Herstellung verschiedenster Produkte. Sei es in Lebensmitteln, Tierfutter, Körperpflege- und Reinigungsmitteln, aber auch Lacken und Biotreibstoffen: Palmöl steckt darin und scheint perfekt zu sein. Nicht umsonst ist es heute bereits in jedem zweiten Supermarktartikel enthalten. Und die Nachfrage wird sich in naher Zukunft nahezu verdoppeln.
Dabei wird das Öl aus den Früchten der „Ölpalme“ gewonnen, die sehr ertragreich ist. Sie wächst in tropischen Breiten und wird bis zu 30 Meter hoch. Ursprünglich stammt sie aus Afrika, wird aber in den letzten Jahrzehnten zunehmend in Staaten rund um den Globus angebaut, die entsprechende klimatische Bedingungen bieten.
Doch schaut man genauer hin, zeigt sich, dass Palmöl auch sehr viele Schattenseiten hat: Es sorgt für gewaltige Zerstörungen rund um den Globus, heizt Artensterben und Klimawandel an, ist für die Ausbeutung von Menschen mit verantwortlich. Und immer öfter wird auch Krebs mit ihm in Verbindung gebracht…

Palmöl hat also nur auf den ersten Blick so viele tolle Eigenschaften.
In Wirklichkeit ist die gestiegene Nachfrage maßgeblich an verschiedenen Missständen dieser Welt beteiligt. Und wir alle sind mehr oder weniger mitverantwortlich für die steigende Nachfrage von Palmöl und -fett. Das heißt, wir könnten diese Entwicklung theoretisch bekämpfen. Doch wie macht man das, wenn man nicht einmal genau erkennen kann, in welchem Produkt denn nun Palmöl steckt, und in welchem nicht? Schließlich muss es selbst in Lebensmitteln nicht unbedingt als „Palmöl“ oder „Palmfett“ deklariert werden. Es gehört schlicht zu den „Pflanzlichen Fetten“ auf der Zutatenliste. Bei vielen Kosmetikartikeln, Chemikalien oder Treibstoffen können wir ohnehin oftmals nicht erkennen, ob es enthalten ist.

Was also tun?
Schauen wir uns erst mal die entscheidende Frage an: Was ist eigentlich so schlimm am Palmöl?

Plantagen bringen den Tod

Allem voran steht die Abholzung der Regenwälder, die u.a. in Indonesien oftmals den gewaltigen Palmöl-Plantagen geschuldet ist. Mit der Abholzung dieser einmaligen Natur verschwinden natürliche Lebensräume und unzählige Arten. Viele Pflanzen-, Tier- und Pilzarten sind noch nicht einmal entdeckt, da werden sie auch schon gerodet, vernichtet, ausgerottet. Jeden Tag sterben immer mehr Wunder der Erde aus, Lebewesen mit Jahrmillionen Evolutionsgeschichte.
Nicht nur, dass hierdurch die Vielfalt immer weiter schwindet und wundervolle Lebewesen für immer verloren gehen: Pflanzen und Pilze könnten auch medizinisch wirksame Substanzen enthalten, mit deren Hilfe wir Krebs, AIDS, Nervenerkrankungen oder gar den Alterungsprozess wirkungsvoll bekämpfen könnten…

All dies scheint egal zu sein – der Hunger und die Gier nach mehr, macht auch vor diesen Möglichkeiten nicht Halt.

Gewaltige, monokulturelle Palmölplantagen ersetzen die Natur und nehmen den verbliebenen Tieren jegliche Lebensgrundlage. So wird u.a. der Orang Utan – ein naher Verwandter des Menschen – in freier Wildbahn bald ausgestorben sein. Und eine ganze Reihe anderer Tierarten wird seinem Schicksal folgen.
Not und Elend bedeuten die Plantagen auch für die menschlichen Bewohner der Umgebung. Denn die leiden mehr unter den Plantagen der Großkonzerne, als dass sie einen Nutzen von ihnen hätten. Einige werden als Billigarbeiter praktisch ohne Rechte beschäftigt, bekommen einen Hungerlohn und müssen dabei auch noch unter katastrophalen Bedingungen arbeiten, werden durch versprühte Chemikalien krank. Zudem werden neben ehemaligen Regenwaldflächen auch die Felder der Kleinbauern vor Ort für die Plantagen genutzt. Dazu enteignet man die Menschen einfach oder kauft ihnen ihr Land billigst ab. Somit treibt man sie in den Untergang. In ihrer Verzweiflung roden sie anderswo illegal Regenwald, um sich selbst etwas anbauen zu können. Oder sie beginnen zu wildern, jagen bedrohte Tierarten um sie zu verkaufen oder selbst zu essen.
Auch sorgen die Palmöl-Plantagen, wie alle anderen Monokulturen, in ihrer Umgebung für eine erhöhte Giftbelastung. Schließlich werden bei diesem einseitigen Anbau vermehrt Pestizide, Fungizide und Herbizide eingesetzt. Zusammen mit großen Mengen Dünger landen diese Chemikalien in den Flüssen, Seen, im Grundwasser und in der Erde. So belasten sie die verbliebenen Ökosysteme und machen auch die Anwohner auf Dauer krank.

Klimawandel

Es ist absurd, dass Palmöl ausgerechnet im Biosprit landet, der angeblich einen Beitrag zum Klimaschutz leisten soll. Tatsächlich wird jedoch die geringe positive Wirkung, die eine Beimischung solcher „nachwachsender Energieträger“ zum Benzin mit sich bringt, durch die Anbaubedingungen oft absolut zunichte gemacht:

Wer einen Regenwald abholzt, um dadurch in einen fossilen Brennstoff 10% eines klimaneutralen Energieträgers beimischen zu können, und dies dann als „Klimaschutz“ deklariert, der scheint mir „getrumpt“ zu sein. – Schafft er doch alternative Fakten, weil er sich mit der Realität keine goldene Nase verdienen kann…

Der Regenwald ist nicht nur ein gewaltiger Speicher für Kohlenstoff und somit für das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2). Durch seine Abholzung wird auch das Bodenleben zerstört, es kommt zu immensen Zersetzungsprozessen, die Kohlendioxid und Methangas freisetzen. Gerade Methan ist ein sehr schnell wirksames Treibhausgas.

Auch ist der Regenwald Teil des Klima- und Wettersystems, da er selbst durch Verdunstung und die Freisetzung von Molekülen die Niederschläge steuern kann. Er trägt somit direkt zum Klima- und Wettergeschehen bei.

Und nur mal ganz am Rande: Wald produziert auch Sauerstoff, den wir zum Atmen benötigen…

Es ist dringend notwendig, dass sich hier etwas ändert. Doch wie kann man selbst dazu beitragen, dass diese Zerstörungs-Spirale unterbrochen wird?

Besser zertifiziert?

In der Zwischenzeit gibt es immer öfter zertifiziertes Palmöl, das bestimmte Richtlinien erfüllt.
Doch diese sind meist nicht mit denen des Biolandbaus vergleichbar, weil sie bei weitem nicht so streng sind. Auch fehlen noch Kontrollinstrumente vor Ort. Auch können die Hersteller das raffinierte, zertifizierte Öl oftmals noch nicht zuverlässig vom konventionellen trennen.

Dies sind mitunter Gründe, weshalb auf vielen Lebensmittel-Verpackungen nicht aufgeführt werden kann, dass tatsächlich zertifiziertes Öl verwendet wurde. Gleichzeitig ist der Lebensmittelindustrie natürlich auch nicht daran gelegen, durch solche Angaben auf die generelle Umweltproblematik des Palmöls hinzuweisen. Sonst müsste sie ja am Ende noch eingestehen, dass sie gar nicht so nachhaltig und umweltfreundlich ist, sondern dann doch lieber vorwiegend billigstes Öl in ihren „qualitativ hochwertigen“ Lebensmitteln verarbeitet.

Doch davon einmal abgesehen: Selbst eine strenge Zertifizierung von Palmöl kann keine nachhaltige Lösung des Problems sein. Denn für den Anbau der Ölpalmen braucht man definitiv Flächen. Und diese müssen in tropischen Breiten liegen, was zwangsläufig zu einer Verdrängung von Kleinbauern und Natur führen wird. Der Transport des Öls in alle Welt verursacht nun mal auch Treibhausgase. Und der niedrige Preis für Palmöl, den die Industrie nur bereit ist zu zahlen, lässt einen nachhaltigen Anbau der Palmen überhaupt nicht zu.

Grundsätzlich ist das Öl auch alles andere als gesund für den Verbraucher.

Krebserregend

Es ist ein Stoff namens Glycidyl-Ester, der im Palmöl steckt, und der erbgutschädigend, krebserregend wirkt.
Vorstufen dieses Stoffes können bereits bei der Ernte oder einem unsachgemäßen Transport der Früchte entstehen. Zusätzlich müssen die Ölpalmenfrüchte auf über 200°C erhitzt werden, um den bitteren Geschmack und die rote Farbe des Öls zu beseitigen. Bei dieser starken Erhitzung entsteht Glycidyl-Ester in besonders hoher Konzentration.
Somit nehmen wir Verbraucher mit jedem Produkt, das Palmöl enthält, eine gewisse Dosis Gift in uns auf und steigern somit unser Risiko, an Krebs zu erkranken!

Die Alternativen

Natürlich wäre die Nutzung anderer Öle, wie Oliven, – Rapps- oder Sonnenblumenöl nachhaltiger, als die Verwendung von Palmöl. Doch hierdurch würde die Produktion der Lebensmittel teurer, weshalb die Lebensmittelindustrie weitgehend davor zurück schreckt und uns lieber das billige Öl serviert – mit all seinen negativen Folgen.

Wollen wir konkret Palmöl von unserem Speiseplan streichen, sollten wir natürlich zunächst einmal auf Produkte verzichten, bei denen das Öl offen auf der Zutatenliste aufgeführt wurde. Für alle anderen Mogelpackungen („Pflanzliche Fette“ anstatt „Palmöl“ aufgeführt) kann man nur mit dem Boykott antworten.

Und somit besser wieder selbst kochen oder backen. Das ist meist ohnehin gesünder, nahrhafter, verpackungsärmer und individueller, manchmal sogar billiger.

Und das Wichtigste: Man weiß, was man isst.

Etwas schwieriger gestaltet sich die Angelegenheit bei Reinigungs- und Körperpflegeprodukten, Tierfutter, Chemikalien oder gar Biosprit. Hier lässt sich leider oftmals nicht direkt herausfinden, ob Palmöl verarbeitet wurde.

Am besten, man verzichtet grundsätzlich auf Biosprit (u.a. E10 an der Tankstelle), vermeidet ohnehin Chemikalien, und setzt auf natürliche Reinigungs- und Körperpflegeprodukte.

Es gibt bereits eine wachsende Anzahl von Herstellern, die mit einer Palmöl- und Palmfettfreiheit werben. Einige Produkte findet man beispielsweise in folgendem Online-Shop, den ich entdeckt habe www.veganese.de.

Unter www.Utopia.de findet man zudem eine kleine Bildergalerie zu Alternativen für beliebte Lebensmittel, die kein Palmöl enthalten.

Und wer sich vielleicht sogar an die eigene Zahnpasta oder ans Duschgel wagen will, dem sei die Website www.smarticular.net empfohlen.
Hier habe ich bereits ein Mundwasser selbst hergestellt und war begeistert. Auch die Kraft der Orangenschalen zu nutzen, um in Küche und Bad zu reinigen, ist eine tolle, umweltfreundliche und vor allem auch kostenlose Alternative.

 

 

 

5 Gedanken zu “Tod unter Palmen

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