Jetzt gehts um die Wurst…

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt (CSU) möchte Fleischbezeichnungen von veganen oder vegetarischen Lebensmitteln zukünftig verbieten. Keine „vegane Currywurst“ mehr, und kein „vegetarisches Schnitzel“. Seine Begründung: Menschen würden in die Irre geführt, wenn man ihnen einen Fleischgehalt vorgaukelt, der gar nicht vorhanden ist. Der Landwirtschaftsminister möchte also, dass auf einem Lebensmittel steht, was drin ist. Das wäre ja prinzipiell schon mal ein Fortschritt, die man Herrn Schmidt so gar nicht zugetraut hätte…

Werden wir also zukünftig endlich eine klare Lebensmittelkennzeichnung haben? Vielleicht mit Horrorbildern wie auf Zigaretten-Schachteln? Mit Bildern von karieszerfressenen Kindergebissen oder Raucherbeinen von Zuckerkranken. – Auf jenen Cerealien und Zwischenmahlzeiten, die mit ihrer Werbung hauptsächlich auf Kinder abzielen. Die „mit der zusätzlichen Portion Milch“, welche durch die doppelte Portion Zucker übertroffen wird?

Werden wir auf den vielfältigen Fertigprodukten und Süßigkeiten verstopfte Arterien sehen, die Fettleber mit einsetzender Leberzirrhose, vom Übergewicht zerstörte Hüften oder Kniegelenke?

Wird sich ein Hinweis auf die Wirkung von Glutamat aufs Gehirn finden, und allgemein eine Andeutung auf süchtig machende Zusatzstoffe, die auch in der Schweinemast eingesetzt werden, damit die Tiere immer weiter fressen? Vielleicht sogar auf die vielen gesundheitsgefährdenden E-Stoffe, die sich in der Nahrung befinden?

Sehen wir vielleicht sogar auf den Verpackungen vieler Fleisch-, Ei- und Milchprodukten aus der Massentierhaltung die gequälten, fettgemästeten, kranken Tiere? Und einen Hinweis, dass es bei übermäßigem Verzehr nicht nur zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gicht und Krebs kommen kann? Sondern dass man auch besser den Arzt oder Apotheker befragt, wenn es um die Nebenwirkungen geht, die enthaltene Stoffe verursachen könnten: Antibiotika, Dioxin, Hormone, Glyphosat oder antibiotikaresistente Keime.

Finden wir vielleicht die Lebensmittelampel wieder, die anzeigt, welche Produkte besser nicht, nur in Maßen oder unbedenklich zu sich genommen werden können? – Bezieht man grundsätzliche, ernährungsphysiologische Tatsachen beim Kauf mit ein, wie Fett-, Zucker- und Salzgehalt.

Also dieser Ampel, die eigentlich Sinn machen würde, hat unser Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft (und vorwiegend Mastbetriebe, mit Schwerpunkt Schweinemast) bereits die „Rote Karte“ gezeigt. Er wolle ja den Menschen nicht in den Kochtopf hinein regieren und sich nicht einmischen, was sie so kaufen.

Klassische Verbrauchertäuschung

Warum sollte sich denn auch ein Bundesminister für Ernährung um die gesunde Ernährung der Bevölkerung kümmern…? – Vielleicht, weil es seine Aufgabe ist? Bei dieser Zurückhaltung drängt sich doch glatt eine Frage auf:

Gilt denn sein Ziel, es müsse draufstehen, was drin ist, auch für Ministerposten? Und wäre die jetzige Besetzung dann keine klassische Verbrauchertäuschung? Ein Minister für Ernährung, der die von Verbraucherschützern geforderte Lebensmittelampel ablehnt, und stattdessen für den regelmäßigen Verzehr von (Schweine-)Fleisch wirbt…

Nein, es wird weder eine Lebensmittelampel, noch eine ausführliche Deklaration von Inhaltsstoffen oder Haltungsbedingungen von Tieren geben. Es wird einzig das Verbot geben, dass Hersteller ihr vegetarisches Mahl nicht mehr als „Vegetarisches Schnitzel“ bezeichnen dürfen.

Es liegt schon sehr nahe, dass bei diesem Plan vor allem der Lobbyismus im Vordergrund steht. Wie nahe Herr Schmidt der Fleischindustrie steht – daraus macht er selbst gar keinen Hehl.

Und mehr als ein Drittel aller Haushalte in Deutschland reduzieren inzwischen den Fleischkonsum. Das passt natürlich nicht ins Konzept der Fleischindustrie. Zugleich hat der Verkauf von vegetarischen und veganen Fleischersatzprodukten binnen eines Jahres Zuwachsraten von bis zu 50% verzeichnen können. Vielleicht fürchtet man auch die Konkurrenz.

Was nutzt das Verbot?

Aber mal umgekehrt gefragt: Was soll dieses Verbot eigentlich nutzen?

Welcher Hersteller von veganem oder vegetarischem Fleischersatz bezeichnet sein Produkt schon bewusst als „Wurst“ oder „Fleisch“, ohne darauf hinzuweisen, dass es sich um eine vegane oder vegetarische Alternative handelt? Schließlich möchte der Hersteller doch gerade vegane und vegetarische Menschen mit dem Produkt ansprechen oder Fleischesser überzeugen, dass es auch Alternativen gibt.

Oder glaubt man vielleicht, dass intrigante Veganer versuchen, den deutschen Markt mit Fleischimitaten zu infiltrieren, um dann die Weltherrschaft oder zumindest den deutschen Fleischmarkt an sich zu reißen?

Man könnte über diesen Vorstoß wirklich schmunzeln, läge in der Lebensmittelindustrie, der Landwirtschaft und beim Verbraucherschutz sonst nichts im Argen. Doch dass der zuständige Bundesminister ausgerechnet dieses Thema aus dem Hut zaubert, während es an vielen Ecken und Enden deutlich größere Probleme gibt, zeigt die absolute Realitätsferne des Ministeriums. Und die pure Dreistigkeit, die Fleisch-Branche trotz vieler Expertenmeinungen auf einen Sockel zu stellen, wo sie definitiv in Zukunft keinen Platz mehr haben wird! Ob Klima-, Natur- und Tierschutz, Welternährung und meschliche Gesundheit: Eine deutliche Senkung des Fleischkonsums ist zwingend notwendig. Daran wird auch dieses irrwitzige Verbot nichts ändern.

2 Gedanken zu “Jetzt gehts um die Wurst…

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