Zeit der Besinnungslosigkeit

Es ist wirklich zum Haare raufen. Wir schauen uns um und sehen immer mehr Krisen auf uns zukommen. Die größte ist wohl die Reizüberflutung, die uns einfach umzuhauen droht. Überall Neuigkeiten, Horror- und Fehlmeldungen, Halbwahrheiten, Propaganda, unsachliche Berichterstattung, Mutmaßungen,… Und dann sind da ja auch noch die Katastrophen-Meldungen.

Da rasen Menschen mit dem LKW in einen Weihnachtsmarkt und töten völlig Unschuldige. Da bomben Staaten rigoros Krankenhäuser, Wohngebäude und Schulen in Schutt und Asche, töten unschuldige Zivilisten unter dem Deckmantel des Anti-Terror-Kampfes. Die russische und türkische Staatsführung bekommt mehr und mehr diktatorische Züge. Und auch der neue US-Präsident glänzt weder durch ein hohes Maß an Demokratiebewusstsein, Vertrauenswürdigkeit oder Menschenfreundlichkeit, noch durch sein Engagement für Natur und Klima. Er wird wahrscheinlich das UN-Klimaschutzabkommen aufkündigen. Auch wird er alles daran setzen, die gerade eben durch Noch-US-Präsident Obama festgesetzten Schutzzonen im Atlantik und in der Arktis aus dem Weg zu räumen, damit seine Freunde aus der Energiewirtschaft auch in derart sensiblen Gebieten Öl fördern und Profit machen können.

Irgendwie scheint die Welt völlig aus den Fugen zu geraten. Überall scheint es abwärts zu gehen.

Licht in der Finsternis

Doch es steht das Fest der Nächstenliebe vor der Tür, der Besinnung, der Geburt des Guten. Einst war da ein Volk, das durch Kriege und Besatzung sehr vieles erleiden und sogar in die Wüste fliehen musste. Das Hunger und Not erlebte und sicherlich die Hoffnung auf eine bessere Welt verloren hatte.

Und plötzlich stand da eines Tages dieser helle Stern in der dunklen Nacht am Himmel. Er wies den Menschen den Weg hin zum Christuskind, zum neuen König der Juden, zum Erlöser, dem Messias. Nicht nur die Weisen aus dem Morgenland wurden auf dieses Licht inmitten der Dunkelheit aufmerksam. Auch Hirten und selbst die Tiere kamen zur Krippe und huldigten dieses kleine Wesen inmitten von Stroh.

Ein kleines Licht in großer Finsternis, das so viel bewegte: Für die Christen ist Jesus praktisch der Anker des Glaubens, der Mittelpunkt. Seine Wichtigkeit ist nicht hoch genug einzuschätzen; die Wunder, die er vollbracht hat und die Veränderungen, die er bewirkte.

Selbst wenn man sich unabhängig vom Glauben diese Geschichte anschaut, ist es doch einfach verblüffend. Eine der größten Weltreligionen basiert auf einem kleinen Kind, das in einer Krippe im Nirgendwo geboren wurde. Und auch auf diesem Stern von Bethlehem.

Dabei ist es vor allem die Hoffnung, die hier geboren wurde.

Viele neue Sterne

Hoffnung, die auch heute noch tagtäglich auf der Welt neu geboren wird. Es sind viele kleine Sterne, die leuchten und die selbst in tiefster Dunkelheit Licht bringen.

So gibt es beispielsweise inmitten Syriens, einem von Krieg und Elend verheerten Land, das Netzwerk „The 15th Garden“. Es besteht aus Landwirten, Aktivisten, Selbstversorgern und anderen Personen, die einfach nicht zulassen wollen, dass man sie mit Hilfe des Hungers gefügig machen möchte. Krieg bedeutet nämlich auch, dass Despoten oder auch deren Gegner versuchen, die Bevölkerung auf ihre jeweilige Seite zu ziehen. Um diesen Druck auszuüben bietet es sich an, Menschen von der Lebensmittelversorgung abzuschneiden. Dabei sorgt ein Krieg ohnehin dafür, dass die Infrastruktur zerstört wird und es somit auch an Lebensmitteln mangelt. Die Folgen sind Not und Hunger. Dem hat sich das Netzwerk „The 15th Garden“ entgegen gestellt. Man baut in Gärten, auf Feldern, in Hinterhöfen oder Trümmerfeldern Gemüse an, hält sich Vieh. Zugleich tauscht man die Lebensmittel untereinander, tauscht ebenso Saatgut und Wissen aus.

Auch in den USA gibt es solche Sterne der Hoffnung. Hier wurde eine Initiative ins Leben gerufen, die Städte und Bundesstaaten zu ambitionierten Klimazielen animiert. Schließlich bestehen die USA nicht nur mit dem künftigen Präsidenten aus einem fossilen Betonkopf, der dann alles diktieren könnte. Treibhausgase werden überall produziert, in allen Bundesstaaten und jeder Staat hat die Möglichkeit, unabhängig vom Präsidenten Klimaschutzziele umzusetzen. Jeder Bundesstaat, jede Stadt, jede Gemeinde, jedes Unternehmen und jeder Bürger.

Und auch hier in Deutschland sind wir weder dem Terror noch dem Populismus hilflos ausgeliefert. Wir setzen beidem einfach die Freiheit entgegen und die Nächstenliebe. Dumpfe Parolen, dass Flüchtlinge an allem Elend schuld seien, und dass sie alle Terroristen seien, überlassen wir am besten denen, deren Horizont nicht weiter reicht als bis zum nächsten Stammtisch oder zur Boulevardzeitung. Und wir machen uns klar, dass die absolute Mehrheit der Flüchtlinge genau vor diesem Terror geflohen ist, der in ihrer Heimat alltäglich war, und der nun auch bei uns für Zwietracht sorgen soll. Zwietracht säen – das ist das Ziel der Terroristen und es ist das Ziel der Populisten.

Setzen wir diesem Treiben doch einfach die Besinnlichkeit dieser Tage entgegen.

Die Welt muss zur Besinnung kommen. Und dazu braucht es keine Neuauflage rassistischen Gedankenguts, das Europa vor über 70 Jahren Millionen Tote, Zerstörung und unendliches Leid gebracht hat. Allen, die meinen, damalige Denkansätze könnten heute die Lösung sein, sei ein Besuch der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenau empfohlen, oder beispielsweise des „Haus Sonnenstein“ in Pirna (ehemalige „Heilanstalt“, hier starben 14.000 unschuldige Menschen in einer Gaskammer!)

 Ehemalige Gaskammer in der Gedenkstätte "Haus Sonnenstein"

Ort des Grauens: Die Gaskammer in der Gedenkstätte „Haus Sonnenstein“

Nur Licht vertreibt die Dunkelheit

Es braucht zur Dunkelheit, die sich wie ein Schatten über uns zu legen droht, nicht noch mehr Dunkelheit. Man kann Dunkelheit nur mit Licht vertreiben. Mit vielen kleinen Lichtern, die wie Sterne am Himmel das Gute verkünden und das Böse vertreiben.

Und das Gute ist: Jeder von uns kann einen solchen Stern zum Leuchten bringen. Jeder kann etwas Gutes tun, kann einem sozial Schwachen etwas geben, kann einen Geflüchteten unterstützen, kann sich gegen Unrecht auflehnen. Jeder kann durch seinen Konsum und durch positives Handeln die Welt in eine bessere Zukunft steuern, ein Leben bereichern, indem er eine Tierheimkatze bei sich aufnimmt oder der Kohlmeise Winterfutter anbietet. Jeder kann das!

Nehmen wir uns also doch einfach mal Weihnachten als Zeit zur Besinnung. Schalten wir Fernseher, PC, Handy und Radio ab, legen die Zeitungen beiseite, verlassen den Konsumwahn, und lauschen in die „Stille Nacht“. Reflektieren wir diese Stille in unserem Geist und nehmen dann die Gedanken wahr, die uns beschäftigen. Machen wir uns bewusst, dass wir sehr wohl auch ein Recht darauf haben, nicht reizüberflutet zu werden in dauernder Berieselung durch Propaganda, Meinungs- und Panikmache. Wir haben ein Recht darauf, von medialer Umweltverschmutzung verschont zu werden. Atmen wir eine Zeitlang entspannt durch, wird der Geist wieder klar und dies gewährt uns einen distanzierteren Blick. Auf das, was wirklich wichtig ist im Leben: Es ist die Liebe, es ist die Gesundheit, es ist die Lebenszeit, und es ist das Glücklich sein. Das Gute ist das Wichtige – nicht das Destruktive.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein frohes, besinnliches und friedliches Weihnachtsfest. Und natürlich ein glückerfülltes und gesundes Jahr 2017, mit ganz vielen kleinen Sternen am Himmel, die uns neue Wege weisen. In eine Welt, in der Friede und Nachhaltigkeit als das erkannt werden, was sie sind: Die wahren Reichtümer unserer Existenz.

kerzeneu

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s