Kikeriki

Schon lange plane ich, Hühner in meinem Garten zu halten. Ich möchte eine Alternative zur industriellen Haltung – ob konventionell oder bio. Möchte wissen, wie die Tiere leben, von denen die Eier stammen. Ich habe mich eingehend informiert, vieles vorbereitet und doch kam noch irgendetwas dazwischen. Es war eine Menge Arbeit nötig, um endlich sagen zu können: Die Hühner sind da. Aber es hat sich absolut gelohnt!

Nun ist es endlich soweit! Die Hühner kommen! Es ist zwar schon etwas spät im Jahr, aber ich habe mich entschieden, den Stall und den Auslauf nicht den gesamten Winter leer stehen zu lassen. Schließlich ist der Stall ja auch sehr gut gedämmt und im Rhein-Main-Gebiet war in den letzten Wintern ohnehin Frost eine Seltenheit.

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Häuschen und Außenbereich

Geplant hatte ich es natürlich anders: Die Tiere sollten bereits im Sommer einziehen. Doch die Vorbereitungen für Stall und Auslauf hatten mehr Zeit in Anspruch genommen, als zunächst gedacht. Hinzu kam, dass das Wetter nicht gerade mitgespielt hat und die Rasenfläche sich zur schlammigen Matschpiste verwandelt hatte, nachdem der vollständige Aufbau des Stalls endlich abgeschlossen war.

Es blieb also nichts anderes, als diese Matschfläche mit Rindenmulch aufzufüllen, damit die Hühner kein regelmäßiges Schlammbad nehmen müssen. Denn das ist nicht nur unangenehm für die Tiere, und für den, der jeden Tag Futter und Wasser auffüllen, die Eier holen und den Stall säubern muss… Es fördert auch Krankheiten und ist einfach nicht „das Gelbe vom Ei“.

Und dann war da ja auch noch die Suche nach einer geeigneten, alten Rasse. Zunächst schien klar zu sein, dass es die Rasse „Sussex“ werden sollte. Diese entstand etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts und stammt aus Groß-Britannien. Bald erfuhr ich jedoch auch von der Rasse „Araucana“, die grüne Eier legt und noch von den Urhühnern aus Chile abstammt. Da war schon ein gewisser Reiz, solche Tiere bei mir aufzunehmen. Einerseits natürlich wegen der außergewöhnlichen Eierfarbe. Und dann vor allem, um dabei zu helfen, diese alte Rasse zu erhalten. Soweit die Idee. Als ich dann jedoch erfuhr, dass die Tiere deutlich leichter sind und daher auch den 1,50 m hohen Zaun meines Gartens überfliegen könnten, wurde ich skeptisch. Auch ist die Pflege der Tiere wohl etwas anspruchsvoller. Ein Tier aus der Zucht kostet außerdem deutlich mehr, als andere Rassen. Mein Tierarzt riet mir schließlich auch von den „Araucanas“ ab und empfahl mir „Sussex“.

Die Hühner

So entschied ich mich letztlich auch für diese Rasse und fuhr zu einem kleinen Geflügelhändler, den mir der Tierarzt ebenso empfohlen hatte. Die ältere Frau dort machte einen sehr kompetenten Eindruck, der Hühnerbestand wirkte gesund. Etwas erschrocken hat es mich, wie die Hühner eingefangen wurden: Mit einer Art Stange packte sie die Tiere an den Beinen, sie flatterten panisch. Ich musste kurz schlucken. Dann setzte sie sie aber vorsichtig in einen Transportkarton und ich nahm die armen Hennen mit. Einen Hahn konnte sie mir nicht mehr anbieten, und sie bekäme dieses Jahr auch keinen mehr. Das fand ich schade, denn eigentlich wollte ich die Tiere so artgerecht wie möglich aufwachsen lassen. Und gerne hätte ich nach einem Jahr auch mal einer Henne die Möglichkeit gegeben, ein paar Eier auszubrüten.

Die Rettung vorm Kochtopf

Wie das Leben so spielt erfuhr ich von einem Bekannten, der auch Hühner hält, dass er noch einen Hahn übrig hätte. Aus einer Brut sind wohl zwei Hähne hervor gegangen und die Tiere vertragen sich natürlich überhaupt nicht. Er plane, diesen Hahn nächste Woche zu schlachten. Aber wenn ich wolle, könne ich ihn auch haben. Ich zögerte nicht lange und sagte sofort zu. So käme ich zeitnah zu meinem Hahn. Und wenn ich so auch noch ein Tier vorm Kochtopf retten konnte, war das doch eine doppeltgute Sache!

Zwar gehört dieser Hahn einer anderen (aber auch alten) Rasse an. Doch der Bekannte, der ein „alter Hase“ in Sachen Hühnerhaltung ist, hat mir versichert, dass das kein Problem wäre. Somit wird jedenfalls aus der Idee, mit einer kleinen Zucht einen Beitrag zur Erhaltung von „Sussex“ zu leisten, erst mal nichts. Andererseits geht ja auch nichts über die Vielfalt. Hahn ist Hahn, Huhn ist Huhn, und am Ende werden trotzdem Küken aus den befruchteten Eiern schlüpfen. Ja, Tiere aus verschiedenen Rassen haben sogar den Ruf, robuster zu sein als reinrassige.

Doch so weit war es ja noch gar nicht. Der Hahn war ja noch nicht mal im Stall. Den Hühnern hatte ich erst mal eine Vorlaufzeit gewährt, um sich an ihre Heimat und den Stall zu gewöhnen. Ich ließ sie auch nicht aus dem Stall, da sonst die Gefahr bestanden hätte, dass sie in der fremden Umgebung vor Geräuschen erschrocken und über den Zaun davon geflattert wären.

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Hühner noch im Stall – Tag 1

Nach schon einem Tag lag das erste Ei im Stall. Ich hatte das Huhn sogar auf frischer Tat ertappt – es stand noch bei dem Ei, als ich die Tür öffnete. Dabei hatte es die drei Legenester verschmäht, die ich extra sorgfältig eingerichtet hatte. Nein – demonstrativ hatte es das Ei direkt daneben abgelegt… Langsam trottete es davon und als es weg war, nahm ich das Ei entgegen.

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Das erste Ei

Dann bekamen die drei Damen erst mal ein paar Köstlichkeiten. Sie hatten ja schon in ihrem Futterspender genügend Bio-Legemehl – das sind geschrotete Körner mit gesunden Zusätzen. Vom Apfel, den ich den Hennen vorsetzte, waren sie wenig begeistert. Löwenzahn fraßen sie schon eher. Vor allem eine der Damen war begeistert von Himbeeren.

Schleimige Delikatessen

Als ich jedoch eine angefressene Erdbeere aus dem Garten in den Auslauf legte, an der ich noch drei kleine schwarze Nacktschnecken entdeckt hatte, war die Begeisterung groß. Die größte Henne beäugte kurz eines der schwarzen, schleimigen Tierchen, pickte es auf, klapperte mit dem Schnabel und sah kritisch zur anderen Henne, die sich bereits interessiert genähert hatte. Dann schoss sie blitzschnell mit dem Schnabel zur Erdbeere und schnappte sich die beiden anderen Schnecken. Die andere Henne guckte dumm in die Röhre, inspizierte enttäuscht die zurück gebliebene Erdbeere und verschmähte sie mit einem verachtenden Blick…

Nach zwei Tagen Eingewöhnungsphase kam dann schließlich der Hahn. Schon beim Einfangen durch den Bekannten, zeigte er, dass er ein ordentliches Kräh-Organ hat… Am Hühnerstall angekommen stellte ich den Transportkarton erst mal in den Außenbereich, damit sich die Hühner und der Hahn „beschnuppern“ konnten. Doch der Hahn gackerte wie wild und beschwerte sich, dass er nicht aus diesem blöden Karton heraus kam. Also öffnete ich den Deckel und schon kam er heraus geflattert.

Hahn trifft Hühner

Nach einem kurzen Schreck bei den drei Damen über den neuen Mitbewohner, begannen die Hühner auch schon um den Hahn herum zu tänzeln, ihn im Gefieder zu picken. Der revanchierte sich mit dem Zupfen an den Federn seiner Damen und mit gackernden, glucksenden und leicht krächzenden Geräuschen.

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Erstes Kennenlernen

Am Ende standen die vier dann zusammen am Futterautomaten und ließen sich das Legemehl schmecken. Die Chemie schien zu stimmen, der Hahn stolzierte mit stolz geschwellter Brust durch den Stall, die Hennen folgten ihm auf Schritt und Tritt.

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Der Hahn

Jetzt mussten sich die Hühner allerdings nochmal zwei Tage gedulden, damit sich auch noch der Hahn an die Umgebung gewöhnen konnte. Und dann würden sie endlich den Außenbereich erkunden können.

Als es dann endlich soweit war und die Hühner nach draußen konnten, war es windig. Der Hahn begann mit den Flügeln zu schlagen und es dauerte nicht lang, bis sie alle im „Gänsemarsch“ wieder in den Stall zurückkehrten. Das war ein schlechter Start.

Doch ein Tag später war das Wetter besser und die Hühner begannen, vergnügt im Gras zu scharren. Sie kosteten von den Rosenblättern, die ihnen offenbar sehr gut schmeckten. Dafür ließen sie andere Pflanzen links liegen. Damit hatte sich meine Befürchtung in Luft aufgelöst, die Tiere könnten evtl. mache Wildpflanze, die nun mal in meinem Garten wächst, fressen und sich damit schaden. Es zeigt sich bisher deutlich, dass Hühner und Hahn sehr gut wissen, was gut für sie ist und was sie besser stehen lassen…

Eine weitere Überraschung: Sobald man abends zu ihnen in den Garten kommt, marschierten sie (zumindest an den ersten Tagen) – der Hahn voran – wie auf Kommando in ihren Stall. Der Hahn hat sich den Fensterplatz reserviert und sitzt dort auf der Stange, um alles gut überblicken zu können. Inzwischen sind es schon fünf Eier, die ein Huhn gelegt hat. Es ist bisher das einzige, das Eier legt. Bei den anderen scheint es noch etwas zu dauern. Gerade im bevorstehenden Winter wird die Eierproduktion ohnehin sinken. Momentan sind die Eier noch sehr klein, aber das wird sich ändern. Und „Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist…“

Apropos „Mist“! Davon fällt jeden Tag auch eine Menge an. Ich habe mich nun entschieden, den relativ strengen Hühnermist erst mal zwischenzulagern, damit ich ihn dann als hochwirksamen Dünger für mein Spargelbeet einsetzen kann.

Fazit

Eines zeigt mir die Haltung der Hühner schon jetzt: Durch sie werde ich nicht nur regelmäßig mit einem frischen und guten Frühstücksei versorgt. Sie fressen außerdem Schnecken und andere Schädlinge mir Vorliebe, halten den Bereich unkrautfrei, den Rasen kurz und liefern mir Dünger fürs Gemüsebeet.

Und vor allem: Es ist einfach wundervoll, sie beim Scharren und Picken zu beobachten, ihre Kommunikation und das Sozialverhalten zu sehen. Das zeigt mir, wie gut und wichtig es war, Hühnern eine Heimat in meinem Garten zu geben. Und zugleich zeigt es mir auch, wie erschreckend die Massentierhaltung die Rechte dieser Tiere mit Füßen tritt:  Ein Grund mehr sich zu engagieren!

Es folgen demnächst noch einige Bilder von den Hühnern im Auslauf, wenn das Wetter etwas besser ist.

 

 

 

 

 

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3 Gedanken zu “Kikeriki

  1. Herzlichen Glückwunsch zur Vollendung des Projekts Huhn. Hühner sind so tolle Tiere, unterhaltsam, praktisch man wird (vernünftige) Essensreste los, sie versorgen einen mit hochwertigem Eiweiß, sind ziemlich sozial und anhänglich und haben sehr ausgeprägte, unterschiedliche Charaktere.
    Bin gespannt auf deine weiteren Berichte!
    LG Oli

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    • Dankeschön! Ja, Hühner sind wirklich tolle Tiere. Ich hätte das vorher nicht so vermutet. Umso erschreckender ist es, wenn man sich überlegt, unter welchen Bedingungen nicht nur Hühner in der industriellen Landwirtschaft leben müssen… Ich bin jedenfalls gespannt, wie sie sich weiter entwickeln. Im nächsten Jahr möchte ich auch mal einem Huhn die Möglichkeit geben, Nachwuchs auszubrüten. Und das werde ich dann hier auch dokumentieren. LG Torsten

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      • Ich hatte zwar im Vorfeld öfter gehört, dass Hühner so spannend seien, konnte es mir aber ehrlich gesagt auch kaum vorstellen. Nun ist es so, dass ich sie nie mehr missen möchte. Ich bin gespannt auf deine weiteren Erfahrungen.
        Ja, industrielle Landwirtschaft ist ein Drama und industrielle Tierhaltung geht halt gar nicht. Man kann mit gutem Beispiel voran gehen, gegenanschreiben, wo immer es geht den Finger in die Wunde legen – was kann man sonst tun?
        Aber Transition passiert überall im kleinen, ich wünschte nur es würde mainstream.
        LG Oli

        Gefällt 1 Person

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