Bohnen-Vielfalt

Vielfalt wächst…

Es war abzusehen, und doch schlug es ein wie eine Bombe: Der deutsche Chemiekonzern Bayer kauft den US-Riesen Monsanto auf. Was zunächst wie eine von vielen Konzernübernahmen klingt, ist in Wirklichkeit eine sehr gefährliche Konzentration an Macht. Und damit meine ich nicht nur die Marktmacht, sondern auch ganz konkret den gesellschaftlichen Einfluss. Schließlich ist Monsanto ein Hersteller von (genetisch verändertem) Saatgut. Und auch Bayer hält viele Patente auf Pflanzen. Die Macht der Konzerne fußt u.a. auf patentierten und hybriden Sorten, aus denen man keinerlei Samen zum weiteren Anbau gewinnen kann. – Rechtlich ebenso wenig wie praktisch. Denn hybride Saat bringt keinen Ertrag.

Gleichzeitig setzen diese und andere Saatgutkonzerne alle Hebel in Bewegung, um alte Sorten zu verdrängen. Ja, man hat sogar den (zum Glück zunächst erfolglosen) Vorstoß für eine EU-Saatgutrichtlinie unternommen, die den erwerbsmäßigen Anbau von alten Sorten von einer neuen Zulassung abhängig gemacht hätte. Da eine solche Zulassung hohe Summen verschlingt, könnten sich die Nutzer und Anbauer von alten Sorten dies gar nicht leisten. Und so würden diese alten Kulturpflanzensamen allenfalls noch in den Saatgutarchiven schockgefroren lagern und keine Konkurrenz mehr machen.

Zwar ist der Versuch gescheitert, doch bleibt das Ziel der Konzerne klar: Hat man erst mal patentierte und hybride Lebensmittel überall etabliert, sind die Landwirte von diesen Saatgut-Konzernen abhängig: Von ihrem Saatgut, von ihren Sorten, von ihren Pestiziden, Herbiziden und Düngemitteln. Und mit den Landwirten wird ein Großteil der Weltbevölkerung von den Konzernen und ihrer Macht über die Welternährung abhängig sein.

Das Märchen vom grünen Retter…

All dies klingt in den Worten von Bayer und Monsanto natürlich anders. Hier spricht man davon, dass die Agrarindustrie angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und der globalen Erwärmung vor gigantischen Herausforderungen steht. Ja, man schwingt sich als Retter und Umweltschützer auf das hohe Ross eines Helden, der ja nur Gutes erreichen will.

Da könnte man ja glatt meinen, dass die Agrarindustrie den Hunger in der Welt bekämpfen würde. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Man enteignet arme Menschen und nimmt ihnen das Land, mit dem sie eigentlich ihr tägliches Brot gesichert hatten. Dies geschieht überall dort, wo das Land billig und die Anbaubedingungen (Klima) ideal sind. Also oft in ohnehin armen Gegenden dieser Welt, mit korrupten Regierungen und Entscheidungsträgern. Hier haben Lobbyisten und Geschäftemacher ein sehr leichtes Spiel.

Man baut in diesen Regionen monokulturell massenhaft Energiepflanzen und auch Futterpflanzen für die europäische, amerikanische und asisatische Massentierhaltung an. – Soja, Ölpalmen, Mais und mehr…  Man vergiftet ungehemmt die Natur mit Pestiziden und Düngern, zerstört die Biodiversität vor Ort, vergiftet Menschen und Flüsse. Schließlich gibt es in diesen Ländern oftmals keine Umweltgesetze oder man kann diese durch Geldzahlungen umgehen.

Man „produziert“ mit Hilfe dieser Futterpflanzen, angebaut auf den Feldern anderer, Fleisch und Milch im Überfluss und vieles davon landet im Müll. Gleichzeitig überschwemmt man auch noch Märkte in Entwicklungs- und Schwellenländern mit Billigware aus der eigenen, hochsubventionierten Agrarindustrie und treibt so weitere Menschen in den Ruin!

Das Umverteilungsprinzip

Während auch die Politik solche Machenschaften der Agrarindustrie toleriert und unterstützt, beklagt sie andererseits die Armut der Menschen in Entwicklungsländern. Und lässt „Entwicklungshilfegelder“ fließen – finanziert aus Steuermitteln versteht sich. Wie viele Steuern Großkonzerne zahlen und mit welchen Tricks sie sich arm rechnen und eben Steuern sparen, kann man nur erahnen. Es wird also ersichtlich: Die Kosten für eine turbokapitalistische Gewinnmaximierung zum Wohl der Konzerne werden auf den Steuerzahler abgewälzt. Den Menschen in den Entwicklungsländern nimmt man die Mittel zur Selbsthilfe und ihre Lebensgrundlagen – und macht sie dauerhaft abhängig von der Entwicklungshilfe. Irgendwie klingt das haarsträubend. Doch es ist das allgemeine Business in Zeiten der kapitalistischen Globalisierung…

Massentierhaltung und Agrarindustrie sind ja außerdem Mitverursacher der globalen Erwärmung. Wie könnten sie da eine Antwort auf die globale Erwärmung sein, so wie man es uns erzählen möchte…?

Es geht nur ums Geld

Und so schließt sich der Kreis: Die Falschaussage der Saatgut- und Chemiegiganten ist entlarvt und es wird offensichtlich, dass es am Ende doch nur um Milliardengewinne und die Kontrolle der Weltmärkte geht. – Und eben nicht um die Rettung vor Hunger und globaler Erwärmung! Es ist einfach nur respekt- und geschmacklos, dass man in seiner Argumentation für den Zusammenschluss einen solchen Zusammenhang mit dem Kampf gegen Hunger und Klimawandel herstellt.

Überhaupt ist dies ein wichtiges gesellschaftliches Problem, das noch immer viel zu wenig präsent im öffentlichen Bewusstsein ist: Durch patentierte und hybride Pflanzen wird eine katastrophale und beängstigende Abhängigkeit geschaffen. Schließlich entwickelt sich daraus auch große Macht für wenige Konzerne, die in Zukunft bestimmen könnten, wer ihr Saatgut anbauen darf und zu welchen Konditionen. Spekulationen mit Lebensmittelpreisen finden heute bereits an den Finanzmärkten statt und treiben die Preise in die Höhe oder in den Keller. Das vernichtet Existenzen!

Wie wird es erst sein, wenn es darum geht, Preise für das Saatgut von Weizen oder Mais in die Höhe zu treiben, und wenn es für dieses hybride Saatgut keine Alternativen mehr gibt? Wenn die Landwirte absolut von den Lieferungen der Konzerne abhängig sind? Ja – was ist, wenn es keine Landwirte mehr gibt, weil man ohnehin die Lebensmittelproduktion absolut industrialisieren möchte? Man spricht ja heute schon vielsagend von der „Agrarindustrie“. Wollen wir diese überhaupt?

Hybride und angeblich „verbesserte“ Sorten bedeuten oftmals keinen Gewinn für die Gesellschaft. Sie bedeuten vielmehr ein unkalkulierbares Risiko (genetisch veränderte Pflanzen), in jedem Fall jedoch einen Verlust. Verlust an Biodiversität, an Vitalstoffen, an genetischer Vielfalt, an Geschmack und Qualität, an Formen- und Farbenreichtum. Viele alte Sorten besitzen auch Resistenz-Eigenschaften gegen diverse Krankheiten. Solche, die man den hybriden Sorten angezüchtet hat und die man anpreist – in Kombination mit teuren und giftigen Pestiziden.

Vielfalt gegen Einheitsbrei

Tomatenvielfalt
Tomatenvielfalt

In meinem Garten wächst Vielfalt, denn ich habe mich entschieden, diesem ganzen Einheitsbrei die geballte Ladung bunter Früchte entgegen zu setzen. Nach einem holprigen Start, der auch mit dem etwas tomatenunfreundlichen Wetter dieses Jahr zusammenhing, hängen die Pflanzen nun voll mit gelben, grünen, orangenen und roten Früchtchen. Da ist die Pfirsich-Tomate, direkt neben Black Plum, der Gelben Königin und der Andentomate. Fuzzy Wuzzy – die rot-gelb-gestreifte Kübeltomate – gedeiht ebenso wie die Zahnradtomate.Unter einem Dach sind die meisten Pflanzen geschützt vor Regen und somit auch vor der Krautfäule. Jedoch scheint das Dach auch leider bestäubende Bienen abzuhalten. Daher ist die Ausbeute nicht ganz so gut ausgefallen. Im nächsten Jahr werde ich jedoch ein Hummelvolk ansiedeln, einen Blühstreifen säen, und dieses wird sich dann auch der Tomaten-Bestäubung annehmen… 🙂

Bohnenernte 2016
Bohnenernte 2016

Dafür haben die Bienen an den Bohnen dieses Jahr ganze Arbeit geleistet. Sechs verschiedene Sorten – darunter die Steirer Käferbohne und die Kidney-Bohne – wachsen im Hochbeet hinterm Haus. Das heißt, die Ernte ist weitgehend abgeschlossen und die Ausbeute war riesig: Beinahe vier volle Gläser!

 

 

2 Gedanken zu “Vielfalt wächst…

  1. Super Text! Wir leben in einer traurigen Zeit in denen es den meisten Leuten egal ist wo ihr Essen herkommt. Beruhigend, dass es immer noch ein „Dorf von Unbändigen“ gibt, die sich selbst Samen ziehen und die kunterbunte Ernte nicht verpesten lassen 😀

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    • Dankeschön! 🙂 Ja, es ist wichtig, dass es einen Widerstand gegen diese Konzerne und Machtinteressen gibt. Und vielleicht schaffen wir es ja, einige Konsumenten und auch Hobbygärtner / Landwirte zu überzeugen, dass die Vielfalt der wahre Reichtum ist. – Und nicht die Milliardengewinne weniger, auf Kosten der Armut vieler… LG

      Gefällt 1 Person

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