Tiefe Wasser sterben still…

Es ist wieder Urlaubszeit. Viele von uns verbringen ihre freien Tage am Meer. Weite Strände, salzige Luft, frisches Wasser, brandende Wellen, schreiende Möwen…

Doch immer öfter gesellen sich zu Sand, Muscheln und Steinen am Strand auch noch jede Menge Plastikabfälle. Immer öfter liegen dort verendete Meerestiere oder gar gestrandete und sterbende Wale.

Die Spitze des Eisbergs

Das, was wir in unseren Urlaubstagen am Strand entdecken, ist wirklich nur die Spitze des Eisberges. Unseren Meeren und ihren Bewohnern geht es immer schlechter.

Riesige Plastikmüllstrudel drehen sich in Atlantik und Pazifik, sowie im Indischen Ozean. Die Meeresströmung, das Salz und die UV-Strahlung der Sonne, macht es jedoch spröde und so wird das Plastik zu immer kleineren Partikeln zermahlen. Doch verschwindet es nicht. Plastik braucht teils Jahrhunderte, um sich zu zersetzen.

Die winzigen Partikel werden von den kleinen Meeresbewohnern als Plankton wahrgenommen und landen somit in den Tierchen. Dabei enthält Plastik Giftstoffe, die somit in den kleinsten der Nahrungskette landen. Diese werden von den größeren gefressen und das Gift verteilt sich schließlich einmal quer durch den Ozean. Planktonfressende Fische werden von kleineren Raubfischen erbeutet. Diese werden von größeren Fischen gefressen, landen in den Mägen von Robben, Seeleoparden, Pinguinen, Walen, Haien, Seevögeln,…

Größeres Plastik landet auch in den Mägen von Fischen und Vögeln. Es werden immer öfter verendete Tiere gefunden, die so viel Plastik im Magen hatten, dass sie einfach verhungert sind, weil sie den Kunststoff natürlich nicht verdauen konnten und der Magen irgendwann voll war!

Klimawandel

Zum Müllproblem kommt der Klimawandel. Gerade Korallen reagieren sehr empfindlich auf den Anstieg der Wassertemperaturen und auf Änderungen des Säuregehalts im Wasser. Mehr CO² in der Atmosphäre bedeutet schließlich nicht nur eine Klimaerwärmung, durch die auch die Temperatur in den Meeren ansteigt. Die Meere sind natürliche CO²-Speicher. Ist immer mehr von dem Treibhausgas in der Luft, steigt auch der Gehalt in den Meeren. Der Kohlenstoff wandelt sich zur Kohlensäure. Und diese Säure greift u.a. das Kalkgerüst der Korallen an. Genau genommen benötigen Korallen und andere Schalentiere immer mehr Energie, um trotz des steigenden Säuregehalts im Meer noch ihre Schalen bilden zu können. Die Folge dieses Problems sind bereits heute erkennbar: Die Korallenbleiche u.a. am Great Barrier Reef nahe Australien greift um sich, ein gewaltiges Naturwunder scheint zunehmend dem Untergang geweiht.

Ein Paradies ist in Gefahr
Ein Paradies ist in Gefahr

Fischerei

Ein weiteres Problem ist die Überfischung. Gewaltige Fangflotten durchkreuzen die Weltmeere, fischen mit riesigen Schleppnetzen und zerstören dadurch gleichzeitig jegliches Leben am Bodengrund. Immer mehr Nutzfischarten sind in ihren Beständen bedroht, weil man ihnen einfach keine Möglichkeit mehr gibt, sich zu regenerieren. Fisch landet massenhaft auf den Tellern der Industriestaaten, und zugleich in der Massentierhaltung als Energie lieferndes Futter. Neben den Nutzfischarten bedroht diese radikale Fischerei auch die Bestände vieler anderer Arten. Denn diese landen als Beifang in den Schleppnetzen, werden nicht benötigt und werden daher oftmals tot zurück ins Meer geworfen. Auch landen Delfine und andere Kleinwale in den Netzen der Fischfangflotten. Sie können sich nicht befreien. Und da sie keine Kiemen- sondern Lungenatmer sind, ersticken sie qualvoll in den Netzen.

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Die nordfriesische Insel Föhr

Walfang

Apropos „qualvoll“: Hier darf natürlich der Walfang nicht fehlen, dem noch immer manche „hochzivilisierte“ Nationen frönen. Dazu zählen Japan, Island und Norwegen. Angeblich fängt man Wale aus „wissenschaftlichen Gründen“, denn das ist laut internationalen Verträgen noch erlaubt. Dass diese Wale dann doch eher aus „ernährungswissenschaftlichen“ und vor allem „profitwissenschaftlichen“ Gründen gefangen werden und letztlich in den Gourmettempeln landen, versucht man nicht einmal großartig zu verbergen. Gleichzeitig zerstört man mit Unterwasserlärm das Gehör vieler Wale. Das ist katastrophal für die Tiere, denn sie orientieren sich mit Hilfe des Gehörs. Und dann fragt man sich scheinheilig, warum denn sooo viele Wale stranden, sucht nach Krankheiten. In Wahrheit heißt die Krankheit wie so oft: „Homo Sapiens“.

Sei es durch Bauarbeiten für das Verlegen von Unterwasserkabeln, durch Bohrungen für Windkraft-Offshoreparks oder auch für Öl- und Gasförderanlagen. – Man macht die Wale regelrecht taub.

Und last but not least ist es natürlich die Ölforderung, die immer mal wieder von der Natur ihren Tribut fordert. Gewaltige Katstrophen, wie die Apokalypse bei der Ölplattform Deep Water Horizon im Golf von Mexiko, scheinen Größenwahn und Dummheit der Menschen nicht gestoppt, sondern eher beflügelt zu haben. Denn man möchte – nachdem der Eispanzer infolge des Klimawandels auch am Nordpol immer dünner wird – in der Arktis Öl fördern! Die Arktis ist ein sehr sensibles Ökosystem, das Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte brauchen würde, um sich von einer Ölpest zu erholen. Doch den Mineralölkonzernen scheint das egal zu sein. Konzerne, die wir übrigens jeden Tag an der Tankstelle oder einmal jährlich im Heizungskeller finanziell unterstützen…

Ausweg aus der Krise

Wenn man sich die Entwicklung anschaut und zugleich bedenkt, dass Milliarden Menschen von der traditionellen Fischerei abhängig sind, zeigt sich die Dramatik. Außerdem benötigen alle Menschen sauberes Trinkwasser zum Überleben. Und dieses wird immer knapper. Es werden bald Kriege um Wasser und auch um Fischbestände geführt werden, weil wir heute derart respektlos und kurzsichtig mit den Meeren, Seen und Flüssen umgehen.

Dabei gibt es ganz einfache Möglichkeiten, diesen Wahnsinn einzugrenzen.

Dazu zählt in jedem Fall das Einsparen von Verpackungsmüll. Zwar landet unser Plastikabfall offiziell von den Mülltonnen im Recycling. Doch kommt es auch zu Transporten von Müll in andere Länder, wo er recycelt oder gar wild entsorgt wird. Und dabei würde ich darauf wetten, dass einige Tonnen Abfall über Umwege auch im Meer landen.

Eine weitere Möglichkeit ist natürlich der Beitrag zum Klimaschutz. Wir alle können Treibhausgase einsparen, unnötige Fahrten vermeiden, sparsam mit Energie umgehen. Und wir können uns vor allem auch für den Erhalt von Bäumen, Sträuchern und Wäldern vor der Haustür einsetzen. Denn jeder Baum und jeder Strauch ist ein Kohlenstoffspeicher und produziert obendrein auch noch Sauerstoff.

Sehr wirkungsvoll ist es auch, nur noch Fisch aus nachhaltiger Fischerei zu kaufen! Hier hat es jeder Verbraucher in der Hand. Jeder Einkauf ist quasi eine Wahl für oder gegen einen nachhaltigen Umgang mit der Natur.

Prinzipiell kann man sagen, dass für Produkte, die das „MSC-Zeichen“ tragen, bestimmte Standards eingehalten wurden. Und man kann natürlich auch sagen, dass sich jeder bewusst machen sollte, dass da ein fühlendes und denkendes Wesen getötet wurde, um von ihm gegessen zu werden. Ich selbst esse auch Fisch, aber mit dem Respekt und dem Bewusstsein, dass ein Tier hierfür sein Leben gelassen hat. So kaufe ich gern den etwas teureren Fisch, der ein Nachhaltigkeitssigel trägt und esse ihn dafür eben nicht ganz so oft. Wenn die Menschen einfach mal wieder an der Ladenkasse den Lebens-Wert berücksichtigen würden, wäre der etwas höhere Preis doch akzeptabel, oder? Und ein Beitrag zum Schutz der Fischbestände und somit der Meere wäre geleistet.

Man sollte keinen Fisch kaufen, der mit Schleppnetzen gefangen wurde. Mit ihm hätte man ansonsten die Garantie, dass der Meeresboden verwüstet wurde, etliche Beifänge als „Müll“ über Bord gegangen sind und die Massen an Fisch eine Bestandserholung gar nicht mehr möglich machen.

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Armano-Garnele

Selbst gegen die Macht der Mineralölkonzerne könnte jeder im Kleinen etwas tun. Denn Alternativen wären in Teilen vorhanden – ob nun Elektrofahrzeuge, der Öffentliche Nahverkehr, und für kurze Strecken schlicht „Schusters Rappen“ oder das Fahrrad. Und für den Heizungskeller bieten sich Holzpellets und solarthermische Anlagen an.

Alles in allem kann man also sagen: Der Schutz der Wasserwelten ist möglich und existenziell wichtig. Was auf dem Spiel steht, welche Wunder vom Untergang bedroht sind, kann man auch in meiner dreihundertseitigen anthologischen Kondensationsreise durch die Wasserwelten des Blauen Planeten nachlesen.

Buchcover "Tiefe Wasser sterben still..."
…eine anthologische Kondensationsreise durch die Wasserwelten des Blauen Planeten.

Fakten rund ums Wasser und seine Bewohner sowie praxisnahe Tipps zum Schutz dieser wundervollen Welten habe ich unter dem Titel „Tiefe Wasser sterben still…“ zusammengefasst und veröffentlicht. Das Buch ist jedoch viel mehr als „nur“ eine Faktensammlung, sondern eine spannende und unterhaltsame Reise rund um den Globus.

Ergänzt wird sie durch viele tolle künstlerische Beiträge in Wort in Bild von 36 verschiedenen Menschen rund um den Globus.
So bunt wie die Wasserwelten sind auch ihre Texte, Fotos und Zeichnungen:
Da ist z.B. eine Indonesierin, die den Tsunami von Weihnachten 2004 mit Hilfe ihrer Kurzgeschichte „Coralline“ thematisiert – zerstörerische Gewalt und Schönheit des Meeres zugleich aufzeigt. Ein Wort- und Bildkünstler bietet bunte Frösche neben wortgewaltigen Limmericks. Eine freie Redakteurin berichtet in einem Beitrag von der Hallig Süderoog.
Und auch die Jüngsten sind vertreten: Mit einer kleinen Wasserlandschaft, in der sie Schildkröten, Delfine, Seehunde, Eisbären und Pinguine aus Knetmasse aufgestellt haben.

Hier gibts eine kleine Leseprobe: Das Meerchen

Das Buch ist zwar inzwischen nicht mehr im Handel erhältlich. Es gibt jedoch noch einige Restexemplare, die man zum absoluten Sonderpreis von 7 Euro pro Buch inkl. Versand (urprünglich 15,80 Euro) bei mir bestellen kann. Bei Interesse bitte melden unter: to.jaeger@arcor.de
Da der Reinerlös aus dem Buchverkauf der Stiftung Artenschutz zugute kommt, kann gerne auch nach oben aufgerundet werden. 😉 Aus dem Verkauf dieses Buches flossen übrigens bis jetzt 360 Euro dieser Organisation zu. Sie hat mich auch fachlich mit einigen Informationen bei der Recherche zum Buch versorgt.

 

 

 

 

 

3 Gedanken zu “Tiefe Wasser sterben still…

  1. „Leider“ sehr wahre Worte…., immer mehr Plastikmüll zu finden an den Stränden. Thailand war auch sehr schlimm, da konnte man zig tausende Flaschen im Indischen Ozean schwimmen sehn zwischen den Inseln. Bali war ein großer „Müllhaufen“ und bei den Griechen sind sämtlich Strände voll von Müll. Mein Wunsch wäre das endlich ein Umdenken statt finden würde. LG Gerd

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    • Ja, ich finde es vor allem erschreckend, dass immer mehr verpackt wird. Obst, Gemüse, aber auch andere Produkte, werden oftmals unsinnig in Plastik verpackt. Bei meinen Druckerpatronen ist die Menge an Müll doppelt so groß, als die gesamten Patronen… Hier muss sich etwas ändern. Nicht nur um die Meere und die Natur vor Müll zu schützen. Plastikverpackungen geben ja auch Gifte und hormonell wirksame Substanzen an die Lebensmittel ab, die wir dann essen und trinken… LG Torsten

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