Fliegende Biene vor Malvenblüte

Die Honigbiene – mehr als ein Honiglieferant

Für viele Menschen ist ein leckeres Honigbrot vom Frühstückstisch nicht wegzudenken. Als Schlaraffenland gilt, wo Milch und Honig fließen. Und in der Naturheilkunde wird Honig z.B. als desinfizierendes Mittel gegen Halsentzündungen oder bei infizierten Wunden verwendet.

Bienen als Honigproduzenten gelten als emsig und sozial strukturiert. Generationen von Kindern sind mit der Biene Maja als Zeichentrickfigur aufgewachsen und so haben die meisten Menschen ein positives Verhältnis zu den summenden Hautflüglern.

Umso erschreckender erscheint vielen die Vorstellung, dass das Bienensterben unzählige Völker dahin rafft. Wenn man sich im Garten umschaut, sieht man immer weniger Vertreter der Europäischen Honigbiene. Als Ursachen hierfür werden eingeschleppte Schädlinge und Krankheiten ausgemacht, wie die Varroa-Milbe. Aber auch das „Imkersterben“ sowie fehlende Nektarpflanzen gelten als Auslöser des Rückgangs.

Doch es steckt weit mehr hinter diesem Bienensterben, als die politisch Verantwortlichen zugeben möchten. Die intensive Tierhaltung und die industrialisierte Landwirtschaft haben auch vor der Imkerei nicht Halt gemacht.  Auch von den Bienen fordert man Höchstleistungen, berücksichtigt jedoch ihr natürliches Verhalten und ihre Lebensweise immer weniger.

Ein ganzheitlicher Blick auf das Problem offenbar die wahre Misere:

Die Biene ist mehr als ein honigproduzierendes Insekt. Jedes einzelne Tier ist ein Wunderwerk des Lebens. Bienen sind dem Menschen in einigen Fähigkeiten haushoch überlegen. Zwar nehmen sie kein Rot oder reines Grün wahr. – Rot erscheint schwarz, Grün erscheint grau. Doch viele Blumen mit roten Blüten locken die Bienen trotzdem an: Der Klatschmohn reflektiert UV-Licht, das Bienen wahrnehmen können. Durch die UV-Reflektion und Nicht-Reflektion der Blütenblätter werden die Bienen von den Blumen an den so genannten Saftmalen entlang zum Nektar geleitet. Bienen erkennen gleich zwei Arten von UV-Licht: Bienenpurpur und Bienenviolett.

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Doch wie sieht so eine Biene eigentlich die Welt? Man kann es sich in etwas so pixelig vorstellen, wie bei einem gedruckten Zeitungsfoto. Die 10.000 Einzelaugen der Biene bilden eine Art Rasterabtastung der Umgebung. Bienen erkennen selbst beim schnellen Flug über eine Wiese die Blüten der Blumen und können äußerst flink auf Angriffe oder Gefahren reagieren. Sie erkennen bis zu 200 Einzelbilder pro Sekunde. Beim Menschen verschmelzen bereits 25 Bilder pro Sekunde im Kino zu einem Film!

Die Insekten erkennen polarisiertes Licht, wodurch sie sich auch bei bedecktem Himmel am Sonnenstand orientieren können.

Doch nicht nur beim Sehen sind sie dem Menschen teilweise überlegen. Bienen verfügen über eine verblüffende Eigenschaft. Auf ihren Fühlern sitzen 40.000 Reizempfänger, mit denen die Tiere nicht nur Gerüche wahrnehmen können. Sie können auch feststellen, woher der Geruch kommt – von links oder rechts. Die Fühler sind zudem hochempfindliche Tastorgane, viele kleine Härchen vermitteln Tastinformationen. Das Zusammenspiel von Tast- und Riechfunktion der Fühler ergibt schließlich den Sinn des plastischen Riechens. Bienen können dadurch beispielsweise die sechseckige Form einer Wabe von anderen Formen auseinander halten.

Auf den Fühlern sitzen zudem Reizempfänger für Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Kohlendioxidgehalt. Dies ist für die Stockpflege enorm wichtig.

Bienen können zwar nicht hören, aber über sehr kurze Entfernungen Luftschwingungen von Tänzerinnen (durch Flügelschlagen verursacht) mit Hilfe der Sinneshaare und der Johnstonschen Organe an der Fühlerbasis wahrnehmen.

Zur Richtungsorientierung verfügen Bienen über Organe, die mit Hilfe der Schwerkraft funktionieren. Borstenfelder an den Gelenkverbindungen zwischen Kopf, Brust und Hinterleib, an den Fühlern und Beinen, signalisieren wo oben und unten ist. Zudem ist die Biene fähig, sich mit Hilfe des Erdmagnetfeldes zu orientieren. Millionen parallel ausgerichtete, eisenhaltige Kristalle im Hinterleib der Biene sorgen für diese Fähigkeit. So kann ein Bienenschwarm die Waben des neuen Stockes exakt und parallel zueinander ausrichten – zur gleichen Himmelsrichtung wie das Muttervolk.

Das einzelne Tier ist bereits ein Wunder der Natur. Das Zusammenspiel eines Bienenvolks, das über 30.000 Individuen beherbergen kann, macht es zum Superorganismus. Es existiert eine genaue Arbeitsteilung, an die sich die Tiere auch halten: Die Königin ist für den Fortbestand des Volkes zuständig und legt Eier. Die Drohnen, also die männlichen Bienen, sorgen ausschließlich für die Befruchtung und müssen weder Futter sammeln noch Arbeiten verrichten. Sie werden vielmehr durch die Arbeiterinnen versorgt. Im Sommer schwärmt natürlicherweise ein Teil des Volkes, zusammen mit einer neu gezüchteten Königin aus, und dabei begatten die Drohnen diese neue Königin. Ist der Vorgang beendet, haben die männlichen Bienen ausgesorgt und werden in der so genannten Drohnenschlacht vertrieben und getötet.

Innerhalb der Gruppe der Arbeiterinnen existieren verschiedene Tätigkeitsfelder: Die Brut- und Stockpflege gehören dazu, natürlich die Sammeltätigkeit und das Auskundschaften, sowie das Bewachen des Volkes. Arbeiterinnen leben in der Regel nur wenige Wochen, wobei die Winterbiene eine deutlich längere Lebensspanne hat als die Sommerbiene. Denn sie muss im Bienenstock den Winter überdauern und im Frühjahr direkt Futter für die neue Brut sammeln. Die Königin lebt bis zu fünf Jahre, wobei ihr Vorrat an Eizellen und Spermien maßgeblich ist.

Die Honigbiene hat eine wichtige Funktion in der Natur und ist deutlich mehr als nur ein Honigproduzent. Sie bestäubt 85% der Kultur- und 50% der Wildpflanzen. Durch den Rückgang der Bienenvölker nimmt somit die Bestäubungsleistung ab. Folge sind nicht nur Ertragseinbußen bei Obst und Gemüse (und damit verbunden höhere Preise!) Ein Wegfall der Bestäuber von Wildpflanzen sorgt zudem für ein enormes Ungleichgewicht innerhalb des Ökosystems. Pflanzen bilden weniger Samen aus, weshalb sie sich auch weniger verbreiten. Vögel, Nager und Insekten, die von diesen Wildpflanzen, ihren Samen oder Früchten leben, werden damit ihrer Lebensgrundlage beraubt und in ihrem Bestand gefährdet. So bedeutet der Rückgang der Bienenpopulation eben nicht nur weniger Honig und weniger Obst. Er bedeutet nicht nur, dass faszinierende Tiere in ihrem Bestand gefährdet werden. Vor allem zieht der Rückgang der Honigbiene eine Gefährdung ganzer Ökosysteme nach sich.

Wenn man sich nun einmal die natürliche Lebensweise der Bienen anschaut und dann beobachtet, wie heute die Realitäten aussehen, bemerkt man schnell: Es ist die unnatürliche Haltung der Bienen in der konventionellen und zunehmend industriellen Imkerei, die sie schwächt. Zwar werden gerne eingeschleppte Schädlinge und Krankheiten als Ursache des Bienensterbens angebracht. Doch die Ursachen sind viel komplexer und vom Menschen gemacht.

Umweltgifte, wie Pestizide und Unkrautvernichtungsmittel töten die Bienen oder machen sie krank. Zugleich nimmt die Blütenvielfalt immer weiter ab, die Biene findet keine passenden Lebensgrundlagen mehr vor. Monokultur ersetzt die Vielfalt. Man möchte Bienen gerne als Obstbaumbestäuber nutzen, gibt ihnen aber keine Möglichkeit, auch Wildkräuter anzufliegen. Denn diese vernichtet man mit Herbiziden. Dieses einseitige Nektarangebot kann für die Bienen nicht gesund sein. Ernährt sich ein Mensch beispielsweise nur von Äpfeln, wird er schließlich auch krank.

Ursprüngliche Bienenbehausung - eine Baumstamm
Bienenbehausung wie im Mittelalter üblich – ein hohler Baumstamm. Aufnahme stammt von der mittelalterlichen Modellsiedlung „Campus Galli“ in Meßkirch.

Bienen werden in der konventionellen Haltung zudem unter hohen Leistungsdruck gesetzt. Man unterbindet natürliche Verhaltensweisen, wie beispielsweise die Tatsache, dass Bienen eigentlich einen Honigvorrat für den Winter anlegen. Den schmieren wir uns dann aufs Brot, die Biene bekommt ihren Honig restlos abgenommen und durch Zuckerwasser ersetzt. Gesunde Ernährung sieht anders aus. Auch der Schwarmtrieb der Bienen wird unterbunden und somit in natürliche Verhaltenswiesen eingegriffen. In der Natur ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sich ein Bienenvolk ab einer gewissen Größe aufteilt und somit verbreitet. Konventionelle Bienenhaltung sieht den Schwarmtrieb als Mangel, als Fehler des Imkers und als negativ an. Dabei ist er die natürlichste Sache der Welt.

Man hat mit der Europäischen Honigbiene eine friedliche, aber zugleich auch wenig wehrhafte Biene gezüchtet: Eine Biene, die möglichst viel Honig produziert und sich zugleich möglichst wenig zur Wehr setzt, wenn man ihr den Vorrat abnehmen will.

All dies sorgt, vielleicht auch im Zusammenspiel mit elektromagnetischen Wellen durch Handymasten o.ä. (Orientierung nach dem Erdmagnetfeld!) für eine Schwächung der Bienen. Die eingeschleppten Krankheiten und Schädlinge tun ihr Übriges.

Man könnte nun sagen, die Bienenhaltung stellt eine Ausbeutung der Tiere dar. Und man verzichtet besser auf den Honigkonsum. Denn schließlich nimmt man den Tieren ihren produzierten Honig ab, man zwingt sie, in vorgefertigte Waben zu bauen. Man verhindert ihren Schwarmtrieb, tötet Drohnenbrut ab und auch Weiselzellen (aus ihnen entstehen neue Königinnen) Man beutet die Tiere aus. Doch es gibt Alternativen zum konventionellen Honig. Bio-Honig hat, je nach Anbauverband, deutlich höhere Kriterien zu erfüllen. Hier ist beispielsweise keine Beschneidung der Flügel gestattet, Drohnenbrut wird nicht abgetötet. Bei der ökologischen Imkerei ist ein eigener Wachskreislauf Voraussetzung. Das bedeutet, die Waben werden nicht zugekauft, sondern der Imker stellt sie aus den Wachsmengen der eigenen Völker jedes Jahr frisch her. Dadurch wird verhindert, dass sich Umweltgifte im Wachs einlagern und Honig sowie Bienen belasten. Die ökologische Imkerei sorgt zudem für Vielfalt im Nektarangebot, es werden Wiesen angelegt und somit nicht nur den Bienen neue Futterquellen angeboten.

Daher ist Honig aus ökologischer Haltung – speziell von einem der großen Anbauverbände – dem konventionellen Honig vorzuziehen.

Es gibt weitere Möglichkeiten, wie jeder Einzelne einen Beitrag zum Schutz der Honig- und Wildbienen sowie allgemein von Insekten leisten kann:

  • Lassen Sie einige Wildkräuter im Garten stehen. Säen Sie Nektarpflanzen ein und pflanzen Sie bienenfreundliche Blumen.
  • Regen Sie in Ihrer Stadt oder Gemeinde an, dass auf Flächen Wildblumenmischungen ausgesät werden und pure Grasflächen verschwinden.
  • Verzichten Sie auf jegliche Pestizide und Unkrautvernichtungsmittel in Garten und Hof.
  • Helfen Sie auch den Wildbienen, indem Sie ein kleines Insektenhotel installieren.
  • Informieren Sie sich über die Bienenhaltung. Eine extensive Haltung ist mit der so genannten Bienenkiste möglich. Diese bietet den Tieren weitgehend natürliche Lebensbedingungen. Sie behalten einen größeren Teil ihres Honigs als Wintervorrat, bauen ihre Waben noch selbst und dürfen schwärmen, wenn sie das wollen. So leisten Sie einen großen Beitrag zur Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen sowie zum Schutz des Ökosystems.

 

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2 Gedanken zu “Die Honigbiene – mehr als ein Honiglieferant

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