Bienenengel auf Distel

Das „freie Handeln“

Momentan wird viel diskutiert über das so genannte Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA. Angeblich sollen durch das Wegfallen von „Handelshemmnissen“ die Wirtschaft angekurbelt und somit neue Jobs geschaffen werden.

Nachdem sich die anfänglich euphorischen Rechnungen der Befürworter als Milchmädchenrechnungen und Schönfärbereien herausgestellt haben, beharrt man trotzdem weiterhin auf diesem Abkommen.

Kein Wunder – wenn man sich anschaut, wer darauf beharrt, sind die Ziele klar: Vor allem Großkonzerne erhalten die Möglichkeit, frei zu handeln, also ohne großartige Einschränkungen.

Von den Handelshemmnissen

Alles in allem kann man sagen, dass die vorgesehene Angleichung von Normen eine Vereinfachung des Handels nach sich ziehen und somit Gewinne und Investitionen als Folge haben soll. Eine solche Angleichung könnte unsinnige Regeln beseitigen, wie z.B. die, dass nur Gurken mit einer bestimmten Krümmung im Handel vermarktet werden dürfen. Doch an solche Regelungen denkt man weniger!

Vielmehr sind es bestimmte Standards, die ein „Handelshemmnis“ darstellen. Existiert beispielsweise in der EU ein „Vorsorge-Prinzip“, was die Zulassung neuer Chemikalien betrifft, herrscht in den USA das „Risiko-Prinzip“. In der Praxis bedeutet dies:

In den USA darf ein Unternehmen eine Chemikalie auf den Markt bringen und muss die Unschädlichkeit und Unbedenklichkeit nicht beweisen. Verursacht der Stoff Schäden, so muss der Staat oder allgemein der Geschädigte beweisen, dass diese Chemikalie schädlich ist. Und erst dann kann sie vom Markt genommen werden. Dies ist oft kompliziert, langwierig und vor allem teuer für den Staat, unbezahlbar für den Einzelnen. Denn der Konzern, der die Chemikalie auf den Markt gebracht hat, beteiligt sich verständlicherweise mit keinem Cent an der Erforschung der Schädlichkeit.

In der EU dagegen muss prinzipiell vom Hersteller nachgewiesen werden, dass eine Chemikalie unschädlich bzw. unbedenklich ist. Erst dann darf sie auf den Markt gebracht werden. Und dies ist doch mal ein klares „Handelshemmnis“, das einem freien Handeln der Konzerne im Wege stehen würde.

 Die „Grüne Gentechnik“

Ein weiteres Handelshemmnis ist die ablehnende Haltung gegenüber dem Anbau von genetisch veränderten Pflanzen. Das Freihandelsabkommen wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch die „Grüne Gentechnik“ befeuern. Es wird Regeln abbauen und die Deklarationspflicht aufweichen, die für den Verkauf von veränderten Pflanzen oder Lebensmitteln besteht.

Momentan werden in Deutschland nur wenige genetisch veränderte Pflanzen angebaut. Dies wird sich sicherlich ändern, wenn TTIP Wirklichkeit wird.

Aber was ist denn so problematisch an der „Grünen Gentechnik“?

Was sich zunächst so harmlos anhört, entpuppt sich am Ende als ein unkalkulierbares Risiko und als große Katastrophe für die Ökosysteme.

Gerne argumentieren Befürworter der „Grünen Gentechnik“ und auch der industriellen Landwirtschaft damit, dass man nur mit dieser Art des Anbaues die vielen Menschen weltweit ernähren könne. Wäre jedoch der Beitrag für die Welternährung so deutlich, dürfte doch eigentlich heute niemand mehr hungern. Das Gegenteil ist allerdings der Fall! Auch argumentiert man damit, dass durch genetisch veränderte Pflanzen der Pflanzenschutz revolutioniert würde und man somit deutlich weniger Unkrautvernichtungsmittel – wie das in der Kritik stehende Glyphosat (krebserregend!) – einsetzen müsse. Denn man züchtet den Nutzpflanzen Resistenzen gegen das Unkrautvernichtungsmittel an und kann somit die Felder unkrautfrei halten, ohne der angebauten Frucht zu schädigen. Dass es jedoch auch bereits unter Unkräutern zu Resistenzen gegenüber Unkrautvernichtungsmitteln gekommen ist und man deshalb deutlich mehr und gleich unterschiedliche Gifte einsetzen muss, verschweigt man sehr gerne.

Weder den Hunger noch die Umweltproblematik lassen sich durch die industrielle Landwirtschaft oder die „Grüne Gentechnik“ lösen. Kein Wunder, da sie Ursache für beides sind:

Die industrielle Landwirtschaft breitet sich gerade in den Entwicklungsländern rasant aus und sorgt dafür, dass dort Bauern ihre Felder enteignet bekommen, um für westliche (Energie-)Pflanzen Platz zu schaffen. Auch überschwemmt man die Märkte in Entwicklungsländern mit EU- und US-subventionierten Lebensmitteln, treibt die Bauern dort somit gleich doppelt in den Ruin. Konzerne verteilen Saatgut von resistenten und widerstandsfähigen Sorten an arme Landwirte, geben vor ihnen in ihrer Not helfen zu wollen. Doch in Wirklichkeit treibt man sie damit in eine fatale Abhängigkeit. Die Landwirte geben ihre alten Sorten auf, bauen die neuen an. Dieses verwendete Saatgut ist jedoch oft hybride, das heißt, der Landwirt kann keine Samen aus den angebauten Früchten gewinnen, um sie im nächsten Jahr wieder auszusäen. Hybrides Saatgut verliert in der Folgegeneration extrem an Keimfähigkeit, die gekeimten Pflanzen wachsen nur kümmerlich. Die Landwirte werden so von den Saatgutriesen abhängig. Und genau das ist auch das Ziel dieser Konzerne. Sie streben außerdem an, die verbliebenen alten und nicht hybriden Sorten möglichst auszumerzen, um die absolute Kontrolle zu erlangen und die Konkurrenz auszuschalten. Zugleich stehen diese Saatguthersteller in direktem Zusammenhang mit der Herstellung und Einführung von Pflanzenschutzmitteln! Ein fatales Abhängigkeitsverhältnis entsteht.

Durch die industrielle Landwirtschaft allgemein, und speziell durch genetisch veränderte Herbizid-resistente Pflanzen, sorgt man für einen Rückgang der Artenvielfalt. Denn man merzt schließlich Unkräuter (also Wildkräuter) immer weiter aus. Monokulturelle Wüsten auf riesigen Feldern voll optimierten und hybriden Einheitssorten sind positiv für die industrielle Landwirtschaft und deren Arbeitsweise. Doch sind sie eine absolute Katastrophe für viele Vogelarten, für Nager, Insekten und auch Säugetiere. Neben ihrem Lebensraum nimmt man ihnen dadurch auch das Futter, vergiftet ihre Umwelt, macht sie krank. Die Feldlerche verschwindet, Feldhamster sind schon seit Jahrzehnten beinahe ausgerottet. Und auch für die Insekten sieht es nicht besser aus. Immer öfter taucht der Begriff des Bienensterbens in den Medien auf.

Honigbiene auf Malvenblüte
Honigbiene auf Malvenblüte

Stirbt die Biene, stirbt der Mensch

Die Honigbiene ist ein sehr wichtiger Bestäuber. Über 50% der Wild- und 80% der Kulturpflanzen werden durch Honigbienen befruchtet. Ein Sterben von immer mehr Bienenvölkern ist deswegen auch für unsere Existenz sehr bedrohlich. Wir sind abhängig von den Bienen! In manchen Regionen der Erde, in denen bereits alle bestäubenden Insekten ausgerottet wurden, werden Apfelbäume durch Arbeiter mit Pinseln bestäubt. Noch ist es in unseren Breiten zum Glück nicht soweit. Doch wenn wir nicht handeln, wird es eines Tages dazu kommen.

Die Gesundheit der Honigbiene wird durch verschiedene Faktoren bedroht. Natürlich sind es Gifte, die auf den Feldern der industriellen und konventionellen Landwirtschaft versprüht werden. Sie sorgen u.a. für Orientierungsprobleme der Bienen und schließlich für derart massive Nervenschäden, dass die Tiere verhungern. Zugleich wird die Europäische Honigbiene durch einen Parasiten geplagt, der aus Asien eingeschleppt wurde. Es handelt sich um die Varroamilbe, die sich an der Biene festsaugt, sich parasitär an ihr nährt. Das Tier wird geschwächt und stirbt. Weitere eingeschleppte Erkrankungen machen den Bienen schwer zu schaffen. Durch die fehlende Blütenvielfalt werden sie zusätzlich geschwächt, ihnen fehlen Nährstoffe, sie hungern sogar.

Und selbst die konventionelle Imkerei trägt oftmals zu einer Schwächung der Tiere bei. So nimmt man der Honigbiene z.B. den kompletten Honigvorrat weg, den sie ja natürlicherweise für den Winter gesammelt hatte. Stattdessen bietet man ihr Zuckerwasser… Gesund kann das nicht sein!

Erbgut wieder einsammeln?

Doch nicht nur die direkten Auswirkungen durch den Anbau von genetisch veränderten Pflanzen sind problematisch. Vielmehr ist es die unbekannte Langzeitwirkung, die eine Veränderung von pflanzlichem Erbgut nach sich ziehen könnte. Keiner weiß, welche Auswirkungen der Eingriff in die Milliarden Jahre alte Evolution haben wird. Inwieweit negative Folgen daraus entstehen könnten, wie die Auswirkungen auf die Umwelt aussehen. Und natürlich auch auf den menschlichen Verbraucher der angebauten Lebensmittel.

Wurden genetisch veränderte Pflanzen erst einmal im Freiland angebaut, haben sie geblüht und hat sich der Pollen verteilt, kann man das Erbgut bei einem negativen Effekt auch nicht einfach wieder einsammeln und entsorgen.

Es wurde freigesetzt – mit allen Folgen, die dies nach sich ziehen kann…

Es gilt daher, das „freie Handeln“ der Konzerne unbedingt zu unterbinden und das Freihandelsabkommen dorthin zu stecken, wo es hingehört: In die Geschichtsbücher unter die Rubrik „Schaden abgewendet!“

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