Frühjahrsputz…

Mein letzter Eintrag ist schon etwas länger her. In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Im Garten sprießen die ersten eingesäten Gemüsesorten, wie Kohlrabi, Karotten und Rote Bete. Neu gepflanzte Grüne Spargel strecken ihre Köpfe aus der Erde, neben Zwiebeln und Knoblauch. Die selbst eingesäten Tomaten mussten längst die Fensterbank räumen und stehen nun noch im Treibhaus, wo sie auf den Startschuss im Freiland nach den Eisheiligen warten.

Aber auch in mir selbst ist etwas gekeimt: Nämlich die Erkenntnis, dass ich einen Frühjahrsputz durchführen sollte.

Doch nicht nur in der Wohnung, vor allem auch in meinem Leben. Ein Leben, das von meinem 40-Stunden-Bürojob maßgeblich geprägt ist. Und beim Nachdenken darüber wurde mir sehr schnell klar, dass meine Arbeitsstelle einzig stresserfüllt ist, und ansonsten alles andere als erfüllend!

Ein Bürojob wie am Fließband, beinahe industrielle Verhältnisse mit dauernden Neuerungen, Änderungen, neuen Aufgaben und einem respektlosen Umgang durch die Vorgesetzten.

Klar ist mir schon lange, dass solche Bedingungen auf Dauer krank machen, dass sie überfordern. Dass einerseits die Masse an Neuerungen und zu erfassenden Daten überfordernd sein kann, während die Tätigkeit an sich einen kreativen Geist dauerhaft unterfordert. Und auch mein Körper sendet regelmäßig Signale, häufigere Migräneattacken, Magenprobleme, Rückenschmerzen.

So kam mir der Gedanke, wie schön es doch wäre, könnte man einfach dauerhaft nur noch in Teilzeit arbeiten. Vielleicht 20 oder 25 Stunden würden den Job erträglicher machen und den Stressfaktor senken. Der kreative Geist könnte dann die frei gewordene Zeit nutzen, um sich mit Dingen zu beschäftigen, die „den Akku“ wieder aufladen, die Sinn und Zweck für das Leben bieten. Die das Gefühl geben, etwas Sinnstiftendes zu tun, die Lebenszeit für etwas Gutes zu investieren. Und vielleicht würde aus diesem Grundgedanke dann auch die Möglichkeit eines geregelten Zusatzeinkommens entstehen – mit einer Arbeit, die erfüllend ist und auch noch einen Verdienst einbringt.

Doch ein Teilzeitjob zieht zunächst einmal einen geringeren Verdienst nach sich. Kann man dann überhaupt noch leben? Wie sieht es mit der Rente im Alter aus? Weniger Verdienst bedeutet schließlich auch weniger Rente.

Raus aus dem Hamsterrad

Ich grübelte lange, überlegte hin und her. Und ich kam zunächst zu keiner klaren Antwort. Es schien wie ein Teufelskreis und drehte sich immer schneller. Zusammen mit dem Hamsterrad, das bekanntlich von innen aussieht wie eine Karriereleiter…

Irgendwann packte mich dann die Lust, meine Wohnung etwas auszumisten. Ich suchte nach Klarheit und irgendwie keimte in mir der Gedanke, dass ich ja wohl keine innere Ordnung erwarten konnte, wenn meine Wohnung und vor allem die Schränke voll mit unnützem Zeugs standen: Alte Unterlagen in Ordnern, die ich mal aufgehoben hatte, weil man sie ja vielleicht noch mal brauchen konnte. Viele Bücher, die ich mal lesen wollte, aber noch auf den richtigen Zeitpunkt wartete. Gekaufte oder geschenkte Gegenstände, die in den Schubladen warteten, bis ich sie mal aufstellte oder zusammenbaute…

Mehr Ordnung im Kopf

So begann ich mit dem Aufräumen und schuf richtig Platz. Ich hatte zuvor schon davon gehört, wie wichtig es angeblich war, dass man im Umfeld ausmistete, um selbst mehr Klarheit zu erlangen. Zunächst schmunzelte ich darüber. Grundsätzlich geisterte mir aber der Begriff es Minimalismus schon seit längerem durch den Kopf.

Während ich so dastand und meine Wohnung ordnete, ausmistete und mich von Dingen trennte, wurde mir immer klarer, wieviel Ballast man mit all diesem Zeugs eigentlich mit sich herum trägt. Und vor allem wie viel Geld und damit auch Lebenszeit ich schon in Dinge investiert habe, die ich am Ende in den Schrank gestellt und nie benutzt hatte.

Mir wurde klar, dass ein Buch, in das man kurz rein gelesen und es als „langweilig geschrieben“ eingestuft hatte, noch so lange im Schrank stehen konnte: Man konnte darauf warten, im Winter mehr Zeit zum Lesen zu haben. Vielleicht auch im Sommer in der Hängematte. Oder man konnte warten, bis man irgendwann mal krank oder arbeitslos war und Zeit haben würde, um das Buch dann zu lesen. – Trotzdem würde dieses Buch jedoch das bleiben, was es war: Ein Buch, das man als langweilig empfindet und nicht lesen will! Warum es also nicht aus dem Regal nehmen?

Überträgt man dieses Sinnbild nun aufs Leben, wird sehr schnell klar, dass auch ein Job, der in keiner Weise erfüllend ist, niemals Erfüllung bringen wird. Und dass ein Job, der krank macht, weil er überfordert, niemals dazu führen wird, „überleben zu können“. Am Ende wird er dazu beitragen, ernsthaft krank zu werden, Lebenszeit zu verlieren. Und wenn man sich schließlich in diesem Job kaputtgeärgert und seine Gesundheit ruiniert hat, wird man vielleicht nicht mal mehr die Rentenzeit erleben.

Wofür also das alles? Wofür das Opfern von Lebenszeit für eine Arbeit, die letztlich krank macht, nur um Dinge kaufen zu können, die man eigentlich nicht braucht und die einem belasten? Und die man dann im Schrank stehen lässt für eine Zeit, in der man sie vielleicht mal brauchen könnte, während man vorher Lebenszeit investiert hat, um sie überhaupt kaufen zu können.

Mein Blick auf das ganze konsumierte Zeugs offenbarte mir schließlich, wie paradox das alles war.

Und so brachte dieser Frühjahrsputz auch eine Klarheit, die mir kein Ratgeber oder kein weiser Spruch hätte bringen können. Ich habe zwischenzeitlich Zeitschriftenabos gekündigt, unnötige Versicherungen und Mitgliedschaften werden ebenso kein Geld und damit keine Lebenszeit mehr verschlingen.

Mein Ziel ist klar:

Mehr selbst herstellen, weniger kaufen und konsumieren. Die Reduzierung der Arbeitszeit, neue Ziele ansteuern und vor allem, arbeiten um zu leben – und nicht leben um zu arbeiten und um blind zu konsumieren!

 

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